Atemnot kann auf Herzklappenfehler hinweisen

Auf sehr großes Interesse stieß die Vortragsreihe des Regensburger Ärztenetzes über Herzklappenfehler im Donaueinkaufszentrum. Rund 200 Zuhörer informierten sich über Warnsignale, Therapie und Operation.

„Vor 30 Jahren war eine nicht mehr funktionierende Herzklappe ein Todesurteil“, stellte Moderator Dr. Carl Rauscher fest. Heute leben viele Menschen mit einer künstlichen Herzklappe. Als Beispiel nannte Rauscher Arnold Schwarzenegger. Er verwies auch auf die jüngste Besucherin der Veranstaltung am 10. November im DEZ, die erst dreimonatige Anna, die kurz nach der Geburt an der Herzklappe operiert worden war.

Allgemeinarzt Rauscher stellte die drei Referenten vor: Internist Dr. Gerd Haas, Kardiologe Otto Arzt und Gastroenterologe Dr. Franz Ehrnsperger.

Welche Beschwerden verursachen Herzklappenerkrankungen? Auf diese Frage ging Dr. Gerd Haas ein. In Deutschland leben 200 000 Menschen mit einer neuen Herzklappe, 16000 wurden 2003 bundesweit an der Herzklappe operiert.

Die Klappen hätten die Funktion, den Rückstrom des Blutes in die falsche Richtung zu verhindern, erklärte Haas. Am häufigsten sind Mitral- und Aortenklappe von Fehlern betroffen.

Das Herz pumpt in der Minute 90 Mal, am Tag sogar 100 000 Mal und das Blut hat eine Konsistenz „zwischen Milch und Honig“. „Herzklappen sind also einer enormen Belastung ausgesetzt im Laufe eines 70- bis 80-jährigen Lebens“, betonte Internist Haas.

Herzklappenfehler sind in aller Regel erworben, nur ein Prozent der Menschheit kommt mit diesem Defekt auf die Welt. Die Gründe für Herzklappenfehler können sein: Altersbedingte Abnutzung, rheumatisches Fieber, infektiöse Endokarditis oder Herzkrankheiten wie Infarkt und Hochdruckherz.

„Woran liegt es, wenn die Herzklappe krank ist?“, fragte Dr. Gerd Haas. Schlussunfähigkeit (Insuffizienz), Verengung (Stenose) oder kombinierte Klappenfehler nannte er als Ursachen. Dies alles führt zu einer Überlastung und damit Schwächung des Herzmuskels.

Häufigster Herzklappenfehler ist die Aortenklappenstenose, die sich im Laufe der Zeit verschlechtert. Allerdings könne der Herzmuskel das sehr lange kompensieren, sagte Haas. Der Betroffene merkt das nicht, weil die Leistungsfähigkeit nur langsam abnimmt.

Als typische Beschwerden zählte Dr. Gerd Haas Luftnot, Engegefühl in der Brust, Ohnmacht auf. Wenn der Patient in diesem Stadium nichts unternehme, habe er eine schlechte Prognose, nach einer Operation dagegen seien die Aussichten sehr gut.

Bei einem Mitralklappenfehler treten Luftnot bei Belastung und beim Flachliegen auf. Es kann zu Oberbauchschmerz und Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzschlag) kommen.

Internist Haas fasste nochmals die Beschwerden zusammen: Abnehmende Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Luftnot, Brustenge, Herzrhythmusstörungen und Schwindel. Der Referent empfahl den Zuhörern, hellhörig zu werden, wenn die Leistungsfähigkeit nachlässt. „Lassen Sie untersuchen, was dahintersteckt!“, riet er dem Publikum im DEZ. Der Arzt untersucht den Patienten zuerst, nächste Schritte sind ein EKG, eine Echokardiographie und vor einer möglichen OP die Herzkatheteruntersuchung.


Moderator Dr. Carl Rauscher appellierte an die Zuhörer, kurz nach einer Virusinfektion keinen Leistungssport zu betreiben: „Das ist ganz ganz gefährlich!“, warnte er. „Ihr Herz merkt sich alles.“

Anhand von Ultraschallbildern erläuterte Kardiologe Otto Arzt die Untersuchungsmethoden und Krankheitsbilder bei Herzklappenfehlern. „Medikamente bessern die Beschwerden, können aber den Klappenfehler nicht beseitigen. Das kann nur die Operation“, sagte er.

Bei der Operation gibt es mehrere Wege. In manchen Fällen ist die Wiederherstellung der erkrankten Klappe möglich. Nach diesem Eingriff ist auf die Dauer keine Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten nötig. Vornehmlich bei Kindern können verengte Klappen oft mit einem Ballonkatheter aufgesprengt werden.

Biologischer oder mechanischer Klappenersatz? Auch diese Frage beantwortete Kardiologe Arzt. Junge Frauen mit Kinderwunsch sollen eine biologische Klappe wählen, da sie in diesem Fall kein Marcumar einnehmen müssten.

Die mechanische Klappe ist unbegrenzt haltbar, der Patient muss jedoch lebenslang Gerinnungshemmer einnehmen. Die biologische Klappe (aus menschlichen Spenderherzen oder Bioprothesen aus Schweineklappen bzw. Rinderherzbeuteln) dagegen hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Auf Dauer muss der Patient aber keine Gerinnungshemmer einnehmen.

Die mechanische Klappe empfahl Arzt Patienten bis 65 Jahre mit Ausnahme von Schwangeren und Menschen, die keine Gerinnungshemmung vertragen. Den biologische Ersatz betrachtet er als beste Lösung, wenn ein Aortenklappenfehler vorliegt und der Patient mindestens 60 ist oder bei einem Mitralklappenfehler, wenn der Patient über 65 ist.

Bei einer minimal-invasiven Operation ist das kosmetische Ergebnis besser, doch schwierige Eingriffe erfordern den herkömmlichen großen Schnitt. Zum Zeitpunkt der Operation sagte Kardiologe Arzt: „Heute wählt man den Zeitpunkt so, dass eine dauerhafte Schädigung des Herzens vermieden werden kann.“

Im Alter sei die Operation riskanter. „Aber warum soll man nicht einen 85-Jährigen operieren, wenn er danach wieder mehr an der Gemeinschaft teilnehmen kann und belastbarer ist?“, meinte Arzt.

Über das Leben mit einer neuen Herzklappe sprach Gastroenterologe Dr. Franz Ehrnsperger. Ein bis drei Tage nach der Operation wird der Patient auf der Intensivstation beobachtet. Die Organfunktionen werden überwacht, damit mögliche Komplikationen frühzeitig entdeckt werden. Ein Aufenthalt auf der Allgemeinstation und eine Heilbehandlung in einer kardiologischen Fachklinik schließen sich an.

Schmerzen im Brustkorb und selten auch Wundheilungsstörungen können auftreten. Die Herzinsuffizienz und eventuelle Herzrhythmusstörungen müssen medikamentös nachbehandelt werden. Patienten können das unterstützen, indem sie die Trinkmenge einschränken, nicht zu viel Kochsalz zu sich nehmen, sich körperlich zunächst nicht stark belasten.

Die Herzschwäche wird unter anderem mit ACE-Hemmern, Beta-Blockern, Wassertabletten und Aldosteron behandelt.

Zur medikamentösen Nachbehandlung zählen die Gerinnungshemmer, die nötig sind, damit sich an der mechanischen Herzklappe kein Blutgerinnsel bilden kann. Ihren Gerinnungswert können Patienten auch selbst kontrollieren. Dies ermöglicht ihnen laut Referent Dr. Ehrnsperger größere Flexibilität.

Bei der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sollen Patienten auf die Wechselwirkung mit anderen Arzneien achten. Auf intramuskuläre Spritzen sollte verzichtet werden. Es ist wichtig, dass Betroffene beim Arzt ihren Marcumar-Ausweis vorzeigen.

Manchmal kommt es vor, dass die Blutgerinnung zu stark gehemmt wird - also beim Zähneputzen das Zahnfleisch blutet und Blutergüsse auftauchen - in diesem Fall soll der Patient das Marcumar weglassen und Vitamin K zu sich nehmen.

Dr. Franz Ehrnsperger bezeichnete es als „Supergau“, wenn sich die neue Herzklappe entzündet. Eintrittspforten seien Infekte der Kieferhöhlen, Mandeln oder von Magen, Darm, Nieren oder Hautinfektionen. Auch bei Zahnbehandlungen oder chirurgischen Eingriffen könnten Bakterien eingeschleust werden.

Der Gastroenterologe riet zu regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen, einmal im Jahr mit Ultraschall. „Herzklappenpatienten sollten sich bewegen, sie sind gut belastbar nach der Operation“, stellte Ehrnsperger fest. Als geeignete Sportarten nannte er Joggen, Laufen, Walken und Radfahren. Von riskanten Sportarten riet er wegen der Gerinnungshemmung ab. Herzklappenpatienten sollen auf ihr Gewicht achten, auf das Rauchen verzichten, wenig Alkohol trinken und mediterrane Kost bevorzugen.

In der Diskussion und bei persönlichen Gesprächen beantworteten die vier Ärzte Fragen der Zuhörer. Am Stand der Deutschen Herzstiftung holten sich zahlreiche Interessenten zusätzliche Informationen und Broschüren.

Von: Marion Koller









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