Schmerzpatienten: Frühe, zielgerichtete Therapie wichtig

Mit der ambulanten, fachübergreifenden Behandlung von Schmerzpatienten befasst sich ein neuer Qualitätszirkel. 13 Ärzte und Psychotherapeuten aus dem Raum Regensburg arbeiten zusammen.

Am 15.02.2006 wurde im Rahmen der vielfältigen Fort- und Weiterbildungsaktivitäten des Regensburger Ärztenetzes ein weiterer Qualitätszirkel gegründet: Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie.

Innerhalb des schon länger bestehenden Qualitätszirkels Orthopädie/Traumatologie hatte sich ein Jahr vorher eine Sitzung mit den Möglichkeiten der ambulanten Schmerzdiagnostik und –behandlung beschäftigt. Damals waren sich alle Teilnehmer einig, dass im ambulanten Bereich qualitative und strukturelle Defizite bestünden, andererseits der Bedarf ungeheuer groß sei.

So wurde eine Umfrage unter den Mitgliedspraxen und allen Fachrichtungen durchgeführt, um das Leistungsspektrum und Schwerpunkte zu eruieren. Es ergab sich ein breites Leistungsspektrum sowohl im diagnostischen wie im therapeutischen Bereich.

Am 15. 02. 2006 trafen sich 13 Ärzte und Psychotherapeuten, um ihre Kompetenzen auszutauschen. Es schloss sich die Gründung des Qualitätszirkels an. Zum Moderator wurde Dr. Thomas Bambach gewählt, niedergelassener Orthopäde in Parsberg und spezieller Schmerztherapeut. Er ist von der KV Bayern zertifizierter Qualitätszirkel-Moderator, so dass der Qualitätszirkel auch von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannt ist und allen Kolleginnen und Kollegen der Region offen steht.

Ziele des Zirkels sind: Verbesserung der schmerzdiagnostischen Grundlagen in allen Fachrichtungen, die von Patienten mit chronischen Schmerzen aufgesucht werden. Dies sind vor allem Hausärzte, Orthopäden, Nervenärzte, Neurochirurgen, aber auch Frauenärzte, HNO-Ärzte, Augenärzte.

Hier soll das Wissen um Zusammenhänge vertieft werden, ferner sollen Techniken entwickelt werden, um rechtzeitig Schmerzpatienten zu „filtern“, die zur Schmerzchronifikation neigen. Je früher eine zielgerichtete Therapie einsetzt, umso leichter kann das „Schmerzgedächtnis“ gelöscht und die Lebensqualität wieder hergestellt werden.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die strukturierte Versorgung der Schmerzpatienten im Rahmen der Konsiliartätigkeit. Bei jedem Schmerzpatienten müssen organische Ursachen ausgeschlossen bzw. nach den Leitlinien der einzelnen Fachrichtungen diagnostiziert werden.

Hier soll ein Netz kooperierender Partner geknüpft werden, in dem zeitlich und entfernungsmäßig kurze Wege beschritten werden können. Wochenlange Wartezeiten möchten wir den Patienten (und ihren überweisenden Ärzten) nicht mehr zumuten müssen.

Von großer Bedeutung ist die Zusammenarbeit mit ärztlichen und nicht-ärztlichen Psychotherapeuten. Auch soll die Zusammenarbeit strukturiert und ausgebaut werden.
Dazu führen die regelmäßigen Sitzungen des Qualitätszirkels, zu denen vier bis fünf Mal pro Jahr eingeladen werden wird.

Auf der Gründungssitzung wurden das diagnostische Spektrum dargestellt, das von Röntgen- und Kernspin über Elekrophysiologische Diagnostik bis zu standardisierten Fragebögen reicht. Die therapeutischen Möglichkeiten der beteiligten Praxen umfassen alle medikamentösen Therapien gemäß den Leitlinien der WHO, psychotherapeutische Techniken, Entspannungstraining, Neuraltherapie, die so genannte minimal-invasive Behandlung mit Injektionen an Nervenwurzeln und wirbelsäulennah, TENS, psychologische Schmerztherapie, Rückenmarksstimulation, Implantation von Medikamentenpumpen.

Nicht zuletzt ist gegebenenfalls eine Schmerzmittelentwöhnung notwendig vor Aufnahme einer Therapie. Natürlich bietet keine Praxis alle Techniken alleine, sondern nur in der Zusammenarbeit kann ein Erfolg erreicht werden.

Die 1. Sitzung hat sich mit Schmerzen im Bewegungsapparat und verschiedenen Therapieprinzipien von Antirheumatica bis Botulinumtoxin beschäftigen. Ein weiterer Schwerpunkt werden Patientenfallkonferenzen sein, in denen schwierige Fälle im ganzen Gremium diskutiert werden.

Der Qualitätszirkel soll und kann nicht die Schmerzambulanzen der Regensburger Kliniken ersetzen. Er tritt auch nicht in Konkurrenz, sondern erweitert das Angebot für die Patienten, um vor allem die langen Wartezeiten für qualifizierte Versorgung zu verkürzen.

Von: Dr. Stephan Hülsmann









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