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Nur rund 30 Prozent der Schlafstörungen haben körperliche Gründe. Viel häufiger als vermutet sind die Zusammenhänge mit nervlichen Beschwerden bis hin zur Depression oder mit psychogenen Faktoren wie Angst und Stress.
Schlafstörungen sind wie Schwindel oder Kopfschmerzen ein sehr typisches und beratungsintensives Thema in der hausärztlichen Sprechstunde. Bei der Erörterung kommt es ganz besonders auf die gründliche Anamnese und vor allem auf die Kenntnisse des gesamten Umfelds an. Hierzu ist der Hausarzt wie kein anderer berufen, da er unter seinen Patienten lebt und auch die erlebte Krankengeschichte der angrenzenden familiären Generationen kennt.
Datenlage: 14 Prozent der Bevölkerung oder 50 Prozent aller über 65-Jährigen beklagen Schlafstörungen. Laut Statistischem Bundesamt liegen Schlafstörungen nach der Auswertung der Diagnosecodierungen von 2004 mit 130 000 Nennungen auf dem siebten Platz aller Behandlungsanlässe.
Kosten: Über die persönliche Behandlung der Betroffenen hinaus werden die Schäden aus Folgen wie Fehlern in der Produktion, Versagen bei Überwachungstätigkeiten und Einschlafen am Steuer auf mehrere Milliarden Euro in Europa geschätzt.
Schlafkurven: Sehr gut erforscht sind die Phasen des Schlafs: von der Wachphase über die REM-Phase (schnelle Augenbewegungen mit lebhaften Träumen) und dem Einschlaf- zum Leichtschlaf- und Tiefschlafstadium. Ein ungestörter Ablauf dieses treppenartigen Rhythmus ist ein kompliziertes Wechselspiel zwischen Hirn- und Körperfunktionen.
Veränderungen: Am bekanntesten ist der Jet-Lag als mangelnde Anpassung an die Überschreitung der Zeitzonen. Doch häufiger werden in der Praxis andere Probleme besprochen wie die Auswirkungen von Schichtarbeit, das zu späte Einschlafen-Können, die vorverlagerte Müdigkeit bei Älteren am Nachmittag, das zu frühe Erwachen am Morgen und nicht mehr wieder Einschlafen, die mangelnde Schlaftiefe und das nächtliche Wachliegen.
Schlafdauer: Durchschnittlich brauchen wir sieben bis neun Stunden, wobei leistungsfähige Kurzschläfer mit vier bis fünf Stunden das eine Extrem und Langschläfer mit zwölf Stunden das andere darstellen. Mit zunehmendem Lebensalter benötigt dagegen jeder weniger Schlaf, da die körperlichen Aktivitäten schon tagsüber mehrere Ruhephasen einlegen lassen und dadurch nachts weniger Erholung zurückfordern.
Schlafbedürfnis: Dieses wird häufig überschätzt. Wer zu früh ins Bett geht oder vor allem nicht müde genug ist, empfindet die nicht geschlafene Zeit häufig als doppelt so lange wie tatsächlich. Die Schlafverteilung im Alter nähert sich zudem wieder dem eines Kleinkindes: Weniger Tiefschlafphasen, dafür häufigere Tagesnickerchen.
Schlafhygiene: Mehr ins Bewusstsein gerückt sind die vielen Fehler, die zu einer falschen Schlaf-Wach-Organisation führen können: zu spätes Essen, zu viel Alkohol, Nikotin oder Koffein, zu unregelmäßige Einschlafzeiten, zu viel körperliche Aktivität vor der Schlafenszeit, das Verlagern von Tagesaufgaben ins Bett (Lesen, Fernsehen, Telefonieren, Essen). Die Beachtung der Schlafumgebung spielt eine große Rolle: ein ruhiger dunkler Raum mit eher kühler, aber nicht kalter, frischer Luft, wenig Stromquellen, geringen Lichtreizen und wenig Lärmbelästigung wäre ideal.
Ursachen: Nur rund 30 Prozent der Schlafstörungen haben körperliche Gründe; diese liegen meistens in Erkrankungen des Herzens, der Atemwege, der Verdauung sowie in Schmerzen oder der so genannten Schlafapnoe (Atemaussetzer). Auch das Syndrom der unruhigen Beine („restless legs“) kann man noch zum somatischen Formenkreis zählen wegen des zunehmenden Dopaminmangels. Sehr viel häufiger als vermutet sind jedoch die Zusammenhänge mit nervlichen Beschwerden bis hin zur Depression oder mit psychogenen Faktoren wie Angst, Stress, Konflikte, Schuldgefühle, Liebeskummer. Auf jeden Fall bedürfen alle diese Umstände einer vertrauensvollen Abklärung durch den Arzt.
Mithilfe: Das Führen von Schlafprotokollen ist ein nützlicher Beitrag des Patienten und bringt viele Hinweise.
Therapien: Nach Ausschluss oder Behandlung von körperlichen Beschwerden ist in erster Linie die ausführliche Berücksichtigung aller Begleitumstände wichtig. Im Sinne einer geteilten Verantwortung müssen ehrlich alle Mängel zum Beispiel bei der Schlafhygiene (siehe oben) offenbart werden ebenso wie die seelischen Einflüsse. Erst danach kommt es zum Einsatz von Entspannungsübungen, Tees, pflanzlichen Mitteln oder milden chemischen Substanzen. Moderne Mittel wie Cyclopyrrolone (Zopiclon®) oder niedrig dosierte Neuroleptika genießen dabei eindeutig den Vorzug vor den älteren und abhängig machenden Benzodiazepinen. In der Sprechstunde der Schlafambulanz im Bezirksklinikum der Uni Regensburg werden laut Aussage des Oberarztes Dr. Peter Geisler zehn Mal häufiger Medikamente abgesetzt als angesetzt.
Schlaflabor: Bei unklaren Fällen erfolgt eine Überweisung zum Facharzt, der mithilfe einer Reihe von Messungen nach qualitätsgesicherten Standards unter anderem den oben erwähnten Schlafrhythmus überwacht und Abweichungen, etwa bei Atemstörungen oder Herzaussetzern herausfiltert.
Der Qualitätszirkel für Allgemeinmedizin und Diabetes in Regensburg, den Dr. Stefano Manna leitet, besteht seit 1994. Neben zwei Sitzungen zum Thema Diabetes wird jedes Jahr je eine Sitzung der Qualitätssicherung, der Onkologie, den Leitlinien und einem hausärztlichen Schwerpunkt gewidmet. Bei der Sitzung über Schlafstörungen diskutierten die niedergelassenen Ärzte vom Regensburger Ärztenetz zusammen mit Dr. Peter Geisler vom Schlaflabor des Bezirksklinikums einen schwierigen Fall (Patientenfallkonferenz). Durch das gemeinsame Einbringen und Bewerten des langjährigen Praxiswissens können so genannte blinde Flecken aufgedeckt werden.
Nacheinander werden folgende Schritte bearbeitet: Beziehungsproblematik zwischen Arzt und Patient, Nachfragen zu medizinischen Fragen, Abgleich von externem Regelwissen (Evidenz basierte Medizin) zu Praxiserfahrungen, Berücksichtigung medikamentöser Dosierungen, Neben- und Wechselwirkungen, Aufstellen eines neuen Behandlungsplans mit Benennung von Therapiezielen und Übertragung des Lerneffekts auf ähnlich gelagerte eigene Fälle.
Das Foto zeigt eine Patientin beim Schlafscreening mit dem so genannten Somnocheck, bei dem festgestellt wird, ob Atemaussetzer vorliegen.
Von: Dr. Stefano Manna, FA f. Allgemeinmedizin
 
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