Jeder fünfte Kraftsportler schluckt was

Nicht nur Profis dopen, auch Breitensportler nehmen die eine oder andere Pille.

Für einen Vortrag bei den Gesundheitstagen 2009 im Regensburger Donaueinkaufszentrum hat sich der Sportmediziner Dr. Andreas Harlass-Neuking näher mit dem Thema befasst. Alarmiert hat ihn eine Studie der Uni Lübeck, wonach 20 Prozent der männlichen Fitnessstudio-Besucher Kontakt mit Doping-Substanzen hatten.

„Anabole Steroide finden auch im Breitensport Verwendung“, sagt Harlass-Neuking. Mit den Hormonen erreichen Kraftsportler einen schnelleren Muskelaufbau und verkürzen die eigene Regenerationszeit. Dadurch können sie intensiver trainieren. Weitere Doping-Substanzen im Breitensport sind die stimulierenden Amphetamine, die die Leistung künstlich steigern.

Ärzte verordnen diese Mittel natürlich nicht. Doch über das Internet und gelegentlich über das Fitnessstudio gelangen sie in die Hände der ehrgeizigen Freizeit-Sportler. Dr. Harlass-Neuking warnt vor den Folgen. Anabolika können zu Unfruchtbarkeit, Haut- und Stimmveränderungen führen oder bei Jugendlichen das Knochenwachstum verzögern. Amphetamine lösen Herzrhythmusstörungen, Schwindelattacken und Schweißausbrüche aus oder machen sogar abhängig.

„Da wird ganz viel in Kauf genommen“, sagt der Allgemeinmediziner und Chirurg, der seit vielen Jahren Profimannschaften wie den SSV Jahn Regensburg oder die Füchse Duisburg betreut und dabei auf strikte Einhaltung der Doping-Vorschriften achtet.

„Fitness muss man sich hart erarbeiten. Das geht nicht mit ein paar Tabletten“, betont der Regensburger Arzt. Wer sich fit halten will und viel bewegt, ob mit Stöcken, Ball oder auf Skiern, sollte sich vor allem sportlergerecht ernähren: 60 Prozent Kohlenhydrate, 25 Prozent Fette und 15 Prozent Eiweiß lautet die Faustregel.

„Morgens viele Vitamine, Müsli mit Obst, Vollkornbrot, Fruchtsaft“, rät Dr. Harlass-Neuking, der dem Regensburger Ärztenetz angehört. Dann sei schon viel gewonnen. Mittags könne auch der Gesundheitsbewusste ruhig ein Stück Fleisch mit Nudeln, Reis oder Kartoffeln zu sich nehmen - allerdings nicht gerade Bratkartoffeln. „Mit Butter, Schmalz, Margarine sparen!“, meint der Mediziner. Als Abendessen eigneten sich Tomaten, leichter Käse und ein Salat.

Einige Nahrungsergänzungsmittel sieht er durchaus positiv. „Für Ausdauersportler ist entscheidend, die Verluste an Mineralstoffen, Körpersalzen und Flüssigkeit auszugleichen“, stellt Dr. Harlass-Neuking fest. Elektrolytgetränke wirkten hier besser als „leeres Wasser“ und beugten etwa bei Halbmarathonläufern den Muskelkrämpfen vor.

Beim Mineralwasser sollten Freizeitsportler auf die Mineralsalze achten. Ideal sind 200 Milligramm Magnesium pro Liter, 100 Milligramm Kalzium und nicht zu viel Natrium. Hilfreich könnten auch in der Apotheke erhältliche Vitamin-Mineralstoff-Konzentrate sein.

Für Kraftsportler eigneten sich Eiweißkonzentrate. Freilich räumt der Sportarzt ein, der wissenschaftliche Wirkungsnachweis sei „dünn“.

Sehr wohl wissenschaftlich erwiesen ist dagegen der Effekt regelmäßiger Bewegung: „Drei Mal wöchentlich eine Stunde Sport verbessert die körperliche Leistungsfähigkeit, beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gewichtsproblemen vor und stärkt das Immunsystem“, betont der Arzt. „Egal ob das Walken, Laufen oder Fußball ist.“

Von: Marion Koller









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