Über Kopfläuse kursieren viele falsche Informationen

Läusealarm! Wer hat nicht schon einmal im Kindergarten oder in der Schule der Tochter, des Sohnes dieses Schlagwort mit leichtem Schaudern am Schwarzen Brett gelesen.

 Die so genannte Pedikulose ist die häufigste parasitäre Erkrankung im Kindesalter, so dass in Deutschland im Jahr ca. 25 Millionen Euro für Therapeutika ausgegeben werden. Doch es kursieren auch viele falsche Informationen über den Laus-Befall.

 

Läuse springen von Kopf zu Kopf: falsch. Eine Übertragung von Läusen erfolgt nur durch engen Kontakt zwischen dem Kopfhaar zweier Personen. Die Laus klammert sich mit ihren Klauenpaaren an einem Haar der infizierten Person fest und versucht mit den freien Klauen, das Haar der Kontaktperson zu erreichen.

 

Ich habe mich an einer befallenen Kopfstütze im Bus angesteckt: falsch. Eine Übertragung von Mütze zu Mütze oder Polster oder Kuscheltier zum Menschen findet praktisch nie statt! Außerhalb der Kopfhaut ist die Laus nicht überlebensfähig.

 

Zur Feststellung eines Läusebefalls sollten Sie die Haare mit den Fingern spreizen und den kopfnahen Teil untersuchen. Vor allem der Haaransatz hinter den Ohren und im Nacken ist gefährdet! Lassen Sie keine Stelle aus, denn normalerweise finden sich nur einige wenige Läuse auf dem Kinderkopf!

 

Vor dem Auskämmen mit einem speziellen Läusekamm sollten Sie das Haar mit einer Spülung anfeuchten, das erleichtert die Suche. Die Spitzen des Kammes sollen die Kopfhaut berühren und der Kamm wird mit leichtem Druck an der Kopfhaut entlang geführt.

 

Dann auf Küchenpapier ausstreichen. Zeitaufwand: Rund fünf Minuten pro Kopf. Das Auskämmen ist gleichzeitig auch eine therapeutische Maßnahme, da Sie die Läuse sicher entfernen können, die Heilungsrate beträgt durch dieses rein mechanische Vorgehen bis zu 60 Prozent.

 

Die Eier der Läuse heißen Nissen und werden von der Laus am Kopfhaar festzementiert, so dass sie sich nur schwer entfernen lassen. Sie sind nicht ansteckend!

 

Nach acht bis zehn Tagen schlüpfen die jungen Läuse. Daher können Kindergarten oder Schule auch mit Nissen im Haar besucht werden, vorausgesetzt die Läuse sind ausgekämmt oder abgetötet und die Behandlung wird nach acht Tagen wiederholt.

 

Nun zu den so genannten Pedikuloziden (also Läuseabtötungsmitteln). Auf chemischer Basis greifen sie das Nervensystem der Laus an. Sie können aufgrund ihres Wirkmechanismus aber auch beim Menschen unerwünschte Wirkungen wie Allergien oder Leberschädigungen verursachen. Außerdem entwickeln die Läuse zunehmend auch Resistenzen gegen die Wirkstoffe, so dass diese nicht mehr wirksam sind.

 

Auf pflanzlicher Basis existiert eine Vielzahl von Produkten, deren Wirksamkeit aber nur teilweise in klinischen Studien bewiesen ist. Es handelt sich in der Regel um ätherische Öle mit insektizider Wirkung. Zu den Nebenwirkungen gibt es allerdings keine Studien.

 

Ein neuer Ansatz, die Läuse abzutöten, ist das Aufbringen von Substanzen, die die Läuse und ihre Eier mit einem wasserundurchlässigen Film überziehen und dadurch ersticken. Eine Resistenzentwicklung ist hierbei natürlich nicht möglich - ein großer Vorteil.


Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Beim erstmaligen Befall mit Läusen reicht als Therapie das Auskämmen der Haare mit einem Läusekamm und die Anwendung eines Pedikulozides auf chemischer, pflanzlicher oder physikalisch-wirksamer Basis. Sind auch Nissen vorhanden, soll die Prozedur nach acht bis zehn Tagen wiederholt werden, um dann geschlüpfte Läuse auch zu entfernen.

 

Hat Ihr Kind Läuse, sollten Sie dies der Schul- oder Kindergartenleitung unbedingt mitteilen und das Kind sofort behandeln. Dann ist es möglich, dass nicht ein einziger Fehltag notwendig ist!

 

Von: Dr. Katja Schönhärl, Fachärztin für Allgemeinmedizin









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