Diabetes kann gravierende Folgen für die Sehkraft haben

Alle 6 Stunden erblindet ein Mensch an den Folgen der diabetischen Netzhauterkrankung. Mit regelmäßigen Augenuntersuchungen könnte das verhindert werden. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren gerade mit Blick auf die Diabetiker rasante Fortschritte gemacht. Von der Erfindung neuer Insuline und schonender Injektionsformen bis hin zur Glaskörperchirurgie, mit der es oft möglich ist, Augen zu retten.

Was ist eigentlich Diabetes? Schon den Ärzten des Altertums war eine merkwürdige Erkrankung bekannt, die sie nach dem auffallendstem Symptom definierten: honigsüßer Urin (Diabetes mellitus). Die damaligen Ärzte kamen ohne jegliche Labordiagnostik mit Hilfe der Urindiagnostik zu diesem Schluss. Richtig erkannt haben die Heilkundigen, dass diese Erkrankung etwas mit Zucker zu tun haben müsse.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung die durch erhöhte Blutzuckerwerte charakterisiert wird. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer Gruppe von Krankheitserscheinungen, deren Grundlage eine ungenügende Insulinproduktion oder eine mangelnde Wirkung von Insulin oder beides ist.

Typ-1 Diabetes:

Der Typ-1 Diabetes wird vereinzelt noch als juveniler Diabetes bezeichnet. Viele Typ-1 Diabetiker stehen zum Zeitpunkt der Diagnose im Teenager- oder im jungen Erwachsenenalter. Manche sind sogar noch Kinder. Bei diesen Patienten sind die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse regelrecht zerstört. Das für die Verstoffwechselung von Kohlehydraten notwendige Enzym Insulin wird in völlig unzureichender Menge oder gar nicht produziert.

Die Schädigung dieser Zellen wird auf ein Autoimmungeschehen zurückgeführt. Ein Prozess, bei dem sich der Körper gegen einen seiner Bestandteile (in diesem Fall die Zellen der Bauchspeicheldrüse) wie gegen einen Fremdkörper zu wehren beginnt. Was einen solchen Autoimmunprozess auslöst, ist Gegenstand wissenschaftlicher Debatten.

Zwischen 5 und 10 Prozent aller Diabetiker leiden an Typ-1 Diabetes.

Typ-2 Diabetes:

Der Typ-2 Diabetes wurde früher auch als Altersdiabetes oder „Erwachsenendiabetes“ bezeichnet. Inzwischen bricht diese Krankheit immer häufiger bei jungen Erwachsenen und sogar Kindern aus. Viele Faktoren weisen daraufhin, dass die Genetik ursächlich eine gewisse Rolle spielt, dass also Patienten mit „familiärer“ Belastung eher dazu neigen an Typ-2 Diabetes zu erkranken. Zweifelsfrei ist, dass der heutige Lebensstil eine große Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielt. Zu wenig Bewegung und falsche, zu üppige Ernährung scheinen zu dieser Erkrankung zu führen. Je nach Statistik sind zwischen 50 und 90 % der Typ-2 Diabetiker übergewichtig und dies nicht zu selten massiv! Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter.

Der Typ-2 Diabetes bedarf häufig keiner Insulinzufuhr. Diät und sogenannte orale Antidiabetika reichen oft aus, um den Blutzucker in den Griff zu bekommen.

Ein historischer Vergleich belegt, dass der Typ-2 Diabetes mit einiger Berechtigung als Wohlstandskrankheit angesehen werden kann. Direkt nach dem Ende des 2. Weltkriegs, als in Deutschland die gesamte Bevölkerung unterernährt war, und Lebensmittel nur in geringer Qualität auf Lebensmittelmarken zu haben waren, gab es praktisch keine Typ-2 Diabetiker.

Symptomatischer Diabetes:

Relativ selten sind jene Formen von Diabetes, die man auch als symptomatisch bezeichnet, weil eine genaue Ursache bekannt ist. Hierzu gehören Entzündungen, Verletzungen oder Tumoren der Bauchspeicheldrüse sowie eine Reihe von endokrinen (hormonellen) Erkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können für die Dauer ihrer Einnahme einen Diabetes auslösen wie zum Beispiel Cortison oder Schilddrüsenhormone.

Schwangerschaftsdiabetes:

Bei etwa 2-5% aller Schwangeren kommt es zu einer Erhöhung der Blutzuckerwerte. Besonders häufig betroffen sind vergleichsweise ältere oder übergewichtige Frauen. Die Babys sind häufig größer, aber auch unreifer als andere Neugeborene. Die Mütter haben ein erhöhtes Risiko, später an einem manifesten Typ-2 Diabetes zu erkranken. Typisch für einen nicht erkannten Diabetes sind der Gewichtsverlust und vor allem das stark erhöhte Durstgefühl des Patienten, das mit einer erhöhten Harnausscheidung einhergeht.

Diagnose:

Die Diagnose wird auf Grund der Blutzuckerwerte gestellt: Ø   Der Nüchternwert liegt typischerweise über 120 mg/dL. Ø   Der Spontanglukosewert (ohne vorhergegangenes Fasten) bei über      180 mg/dL.

Schätzungsweise 6 Millionen Deutsche sind Diabetiker.

Bis zum 50. Lebensjahr sind Männer häufiger betroffen, in höherem Alter stellen Frauen die Mehrheit der Patienten. In der Altersklasse von 30 bis 39 Jahren sind nur ein Prozent der Bürgerinnen und Bürger erkrankt. In der Gruppe der 70 bis 79-jährigen beträgt dieser Wert über 20 Prozent.

Der Diabetes hat in den Bevölkerungen der Industriestaaten längst epidemische Proportionen angenommen. Die Stoffwechselkrankheit belastet mit all ihren Folgeleiden das Gesundheitssystem gewaltig. Und eine stetige Zunahme scheint vorprogrammiert: bis zum Ende des Jahres 2011 soll sich die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf 8 Millionen erhöht haben.

Dabei handelt es sich nicht nur um ältere Menschen und Typ-2 Diabetiker. Die Zahl der Kinder mit Diabetes Typ-1 nimmt  zu, in Österreich beispielsweise um jährlich 2,5%. Und mit diesem Anstieg kommt es  zur Zunahme der mikrovaskulären Komplikationen. In der Zukunft wird es eher mehr als weniger Menschen mit drastischer Seheinbuße durch diabetische Netzhauterkrankungen (diabetische Retinopathie) geben.

Es sei denn die Chance der Früherkennung und der rechtzeitigen Therapie wird entschlossener wahrgenommen als bisher. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Diabetologen und Augenärzten ist notwendig.

Schauplatz Gefäße:

Der erhöhte Blutzucker verursacht beim Diabetes einen hochkomplizierten biochemischen Prozess, der zu einer Schädigung der kleinen Blutgefäße in einer Reihe von Organen führt. Für das Auge typisch sind Schädigungen der Mikrozirkulation, das heißt Änderungen in der Gefäßwand von kleinen und kleinsten Arterien und Venen. Diese werden porös, es kommt zum Austritt von Blut oder bestimmten Blutbestandteilen. Der Körper reagiert mit Reparaturmechanismen, die den Schaden nicht beheben, sondern verschlimmern.

Manche Gefäße verschließen sich, was zu einer Minderversorgung jenes Organteils führt, dem sie eigentlich Sauerstoff und Nährstoffe zuführen sollen. Neue, abnorme Gefäße beginnen zu wachsen, doch diese tragen zu keiner Besserung der Durchblutungssituation bei, sondern verschlechtern die Gesamtsituation. Für die Bildung jener bei der diabetischen Retinopathie so ausgeprägten krankhaften Gefäßneubildungen ist die Freisetzung bestimmter Wachstumsfaktoren (z.B. VEGF) notwendig.

Die Komplikationen des Diabetes mellitus:

Alljährlich verursacht der Diabetes in Deutschland:

-  28.000 Amputationen 

-  27.000 Herzinfarkte

-  44.000 Schlaganfälle   

-  mehr als 8000 neue Dialysefälle

-  Und ca. alle 6 Stunden erblindet ein Mensch an den Folgen der diabetischen Netzhauterkrankung.

Die Stoffwechselerkrankung Diabetes beeinflusst nicht nur das tägliche Leben mit der Notwendigkeit zur Diät  oder dem Spritzen von Insulin. Mit zunehmender Zeitdauer werden vor allem auch die kleinen Blutgefäße des Körpers in vielen Organen nachhaltig geschädigt. Ganz besonders ist die Auswirkung auf das Auge. Es kommt zur Schädigung der Netzhaut, der hochsensiblen Schicht im Inneren des Auges, die ähnlich wie der Film im Fotoapparat  für das Bild , das wir uns von der Umwelt machen, entscheidend ist.

Die Früherkennung ist zusammen mit einer guten Blutzuckereinstellung die beste Voraussetzung für den Schutz des Augenlichts.

Folgeerkrankungen im Überblick:

Herzinfarkt: durch Durchblutungsstörungen des Herzmuskels.

Schlaganfall: durch Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Polyneuropathie: Durchblutungsstörungen der Nerven und Schädigung des Nervengewebes. Meist nachts ein kribbelnder, stechender und schneidender Schmerz in den Extremitäten und zunehmende Gefühllosigkeit.

Impotenz: durch Nervenschädigung bei diabetischen Männern.

Nephropathie: Schädigung der kleinen Gefäße. Funktion der „Blutwäsche“ nicht effizient. Jedes Jahr werden mehr als 8000 Diabetiker zu Dialysefällen.

Der Diabetische Fuß: Größere Blutgefäße weisen krankhafte Veränderungen auf. Der diabetische Fuß droht abzusterben. Konsequenz ist oft die gefürchtete Amputation.

Das Auge:

Das Auge ist der Spiegel der Blutgefäße. Nirgendwo sonst im menschlichen Körper kann der Arzt völlig nicht invasiv einen Blick auf Arterien und Venen in Aktion werfen wie bei der Beobachtung des Augenhintergrundes mit dem Ophthalmoskop, dem Augenspiegel.

Das Auge als wichtigstes Sinnesorgan des Menschen: 

•       „Der alleredelste Sinn des Menschen ist das

  Sehen.“ (Albrecht Dürer)

•       „Liebe auf den ersten Blick- die am weitesten

   verbreitete Augenkrankheit “.

•       „Etwas wie seinen Augapfel hüten“.

•       „Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein
   Auge gesund ist, dann wird dein ganzer
   Körper hell sein.“ (Neues Testament, Matthäus 6)

Diabetische Augenerkrankungen:

Die diabetische Retinopathie:

Nach 20 Jahren mit einem Typ-1 Diabetes leiden bis zu 90 % der Patienten an einer Schädigung der Netzhaut. Unter den Typ-2 Diabetikern beträgt diese Rate ca. 60 %. In den Industrienationen ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter. Der erhöhte Blutzucker ist der wichtigste auslösende Faktor. Möglicherweise spielen aber auch andere Faktoren wie ein erhöhter Blutdruck, hormonelle Umstellungen während Pubertät und Schwangerschaft und ein erhöhter Blutfettspiegel eine Rolle.

Man unterscheidet 2 Verlaufsformen:

Ø   Die nicht proliferative diabetische Retinopathie

 Die proliferative diabetische Retinopathie

Die nicht proliferative diabetische Retinopathie:

Das früh auftretende Stadium kann in eine proliferative Form übergehen. Das erste Krankheitszeichen sind kleine rötliche Punkte auf der Netzhaut, sogenannte Mikroaneurysmen. Diese Aussackungen der Gefäßwände schränken das Sehvermögen keineswegs ein, können aber darauf hinweisen, dass sich Schlimmeres anbahnt. Aus den geschädigten Gefäßwänden kann es zum Austritt von Blut in die Netzhaut kommen. Außerdem können sich Fettablagerungen (harte Exudate) bilden. Die Netzhautgefäße weisen zunehmende Verschlüsse mit Sauerstoffmangelversorgung auf.

Die proliferative diabetische Retinopathie:

Die Minderdurchblutung der Netzhaut löst einen unerwünschten „Reparaturmechanismus“ des Auges aus. Neue Blutgefäße beginnen sich zu bilden. Die krankhaften Veränderungen bleiben nicht länger auf die Netzhaut beschränkt. Die neugebildeten Blutgefäße und das begleitende Gefäßbindegewebe wachsen in den Glaskörper hinein. Die Gefäßneubildungen neigen häufig zu Blutungen. Der Patient bemerkt dies als dunkle Wolke im Gesichtsfeld. In den Glaskörper einwachsende Gefäße vernarben und ziehen an der Netzhaut. Dadurch kann es zu einer Netzhautablösung kommen. Das Sehvermögen ist drastisch reduziert oder völlig zerstört - das Auge blind.

Die Makulopathie (Makulaödem):

Bei einigen Patienten kommt es zum Austritt von Flüssigkeit und Blutbestandteilen im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula. Man spricht vom Makulaödem, das zu erheblichen Seheinbußen führen kann.

Was der Patient selbst bemerkt:

Das Tückische an der diabetischen Netzhauterkrankung ist das Fehlen von Symptomen in den Anfangsstadien. Die ersten Mikroaneurysmen und Exudate führen fast nie zu subjektiven Beschwerden. Aus diesem Grund liegen bei ca. 30-35% der Typ-2 Diabetiker bei der Erstdiagnose bereits Netzhautveränderungen vor. Nicht selten ist es eine Augenuntersuchung, die den Verdacht auf Diabetes erweckt und der Augenarzt rät dem Patienten das Aufsuchen seines Hausarztes oder Internisten.

Erst wenn die Stelle des schärfsten Sehens, die Makula mit betroffen ist, bemerkt der Patient sehr schnell, dass etwas mit seinen Augen nicht in Ordnung ist. Der Befall der Makula und die fortgeschrittene diabetische Retinopathie führen zu einer drastischen, alarmierenden Seheinbuße. Allerdings lehrt die Erfahrung, dass gerade ältere Patienten das Nachlassen der Sehschärfe nicht in dieser Dramatik wahrnehmen.

Risikofaktoren für eine diabetische Retinopathie:

  1. Güte der Blutzuckereinstellung (HbA1c-Wert) und der Stoffwechselkontrolle. Der HbA1c-Wert repräsentiert die Blutzuckerwerte der letzten acht Wochen.
  1. Zeitdauer des Diabetes mellitus
  1. Art des Diabetes mellitus: Eine diabetische Retinopathie ist bei Diabetes mellitus Typ-1 (40%) häufiger als bei Diabetes mellitus Typ -2 (20%)
  1. Blutdruckeinstellung
  1. Schwere Nierenerkrankung mit Eiweißausscheidung
  1. Schwangerschaft
  1. Rauchen, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte

Der Graue Star:

Der Graue Star ist bei Diabetikern häufiger und betrifft auch jüngere Patienten. Die Trübung zeigt eine ganz besondere Konfiguration und betrifft den hinteren Pol der Linse. Das Krankheitsbild unterscheidet sich deutlich von der Katarakt des höheren Erwachsenenalters und ist möglicherweise auf eine erhöhte Glukosekonzentration im Glaskörper des Auges zurückzuführen.

Linsentrübungen - im Zusammenhang mit Diabetes oder wie meistens, dem fortgeschrittenen Lebensalter, - können mit der Zeit zu deutlichen Seheinbußen führen. Wenn die Sehschärfe soweit nachgelassen hat, dass der Patient im täglichen Leben stark eingeschränkt ist, sollte der Graue Star operiert werden. Der Eingriff ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation. Die getrübte Linse wird entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt.

Der Grüne Star:

Das Glaukom (im Volksmund der Grüne Star genannt) ist eine Erkrankung, bei der die Nervenfasern im Sehnerv und in der Netzhaut allmählich zerstört werden. Ein wichtiger Risikofaktor ist ein erhöhter Augeninnendruck. Bei vielen Patienten steht eine mangelhafte Durchblutung der Sehnerven im Vordergrund. Das Risiko eines Diabetikers, an Glaukom zu erkranken, ist erhöht. Eine rechtzeitige Diagnostik (Augeninnendruckmessung) kann diese zusätzliche Gefahr für das Sehvermögen meist bannen, wenn drucksenkende Augentropfen gegeben werden.

Sehstörungen:

Farbensehen: Diabetiker haben häufiger als Gesunde Schwierigkeiten mit einer korrekten Wahrnehmung von Farben. Vor allem Blau-Gelb-Störungen können auftreten, bevor sich erste Anzeichen einer Netzhauterkrankung bilden. Die Farbsinnstörung kann auf das Alltagsleben des Diabetikers Auswirkungen haben. Teststreifen zur Blutzuckerbestimmung können eventuell nur schwer oder gar fehlerhaft interpretiert werden. Patienten mit solchen Farbsinnstörungen müssen daher auf andere Methoden der Blutzuckermessung (z.B. ein Gerät mit digitaler Anzeige) zurückgreifen.

 

Refraktionsänderungen: Viele Diabetiker haben diese Phänomene schon einmal erlebt: Ganz plötzlich scheint sich die Brechkraft des Auges geändert zu haben. Die eigene Brille scheint von einem Tag auf den anderen zu stark oder zu schwach. Doch vor der Investition in eine neue Brille sollte man seinen Diabetologen oder Augenarzt aufsuchen. Die Änderung der Brechkraft ist auf ein Anschwellen der Linse zurückzuführen und bleibt meist nur eine vorübergehende Erscheinung. Mit eine guten Regulierung der Stoffwechselsituation stellt sich bald der gewohnte Zustand wieder ein.

Vorbeugung:

Blutzucker und Blutdruck: Kann der Diabetiker die diabetische Netzhauterkrankung verhindern?

Die beste Prophylaxe ist eine gute Blutzuckereinstellung. Damit kann der Beginn der Augenbeteiligung hinausgeschoben werden. Untersuchungen haben ergeben, dass bei Vorliegen einer leichten bis mäßigen (nicht proliferativen) Retinopathie eine normnahe Blutzuckereinstellung das Risiko eines Fortschreitens um 54 % reduzieren kann.

Der HbA1c-Wert: Ein wichtiger Wert bei der Einstellung des Blutzuckers ist der HbA1c-Wert. Liegt dieser Wert unter 6% ist die Blutzuckereinstellung gut, bei mehr als 7% ist sie als unzureichend einzuschätzen. Unbedingt zu vermeiden ist eine drastische Reduzierung eines schlecht regulierten Diabetes (HbA1c-Wert über 12%). Wird der Blutzucker mit drastischer Insulintherapie zu rapide gesenkt, kann sich die Retinopathie verschlechtern.

Der Blutdruck: Selbstverständlich müssen auch Begleiterkrankungen behandelt werden. Ein hoher Blutdruck sollte mit einer blutdrucksenkenden Therapie auf Werte unter 140/85 mm Hg eingestellt werden.

Der beste Schutz der Augen: Rechtzeitige und regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt.

Eine frühzeitige Erkennung der Retinopathie diabetica bietet eine gute Chance, das Fortschreiten des Krankheitsprozesses im Auge aufzuhalten und beginnende Veränderungen zurückzudrängen. Aber nur jeder dritte Diabetiker unterzieht sich regelmäßig dieser wichtigen Untersuchung. Und das, obwohl Diabetiker ein 25-fach erhöhtes Erblindungsrisiko haben.

Wie häufig zum Augenarzt? Wie oft ein Diabetiker den Augenarzt aufsuchen sollte, ist davon abhängig ob Augenveränderungen vorliegen oder nicht.

Kontrollintervalle:

Diabetiker ohne Retinopathie                                                        alle 12 Monate

Diabetiker ohne Retinopathie bei Schwangerschaft                      alle 3 Monate

Diabetiker ohne Retinopathie bei schwerer                                   alle 3 Monate

Blutzuckerentgleisung

Milde bis mäßige nicht proliferative                                                alle 6 Monate

diabetische Retinopathie

Schwere nicht proliferative diabetische Retinopathie                    alle 3 Monate

Proliferative diabetische Vitreopathie                                            alle 3 Monate

Diabetische Makulopathie                                                              alle 3 Monate

Welche Untersuchungen fallen an?

Die Untersuchung der Augen ist schmerzfrei und belastet den Patienten überhaupt nicht. Zuerst werden einige grundlegende Tests vorgenommen:

1. Die Ermittlung der Sehschärfe- und damit die Entscheidung ob der Patient eine Brille braucht

2. Die Messung des Augeninnendruckes zum Ausschluss eines Grünen Stars

3. Die Beurteilung der vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe, Untersuchung auf eine Linsentrübung (Grauer Star) und Beurteilung , ob neue, krankhafte Blutgefäße auf die Regenbogenhaut (Iris) einsprossen.

4. Die Untersuchung des Augenhintergrunds: Es werden dem Patienten Augentropfen gegeben, die zu einer Erweiterung seiner Pupille führen. Bis zum Abklingen dieser Mydriatika ist das Lesen erschwert und für einige Stunden besteht keine Fahrtüchtigkeit mit dem Auto. Deswegen bitte unbedingt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Augenarzt kommen.

Wenn die Pupillen 20 Minuten nach Gabe der Tropfen erweitert sind, kann der Augenarzt mit dem Augenspiegel in das Innere des Auges schauen. Es zeigen sich der Sehnervenkopf und die anderen anatomischen Strukturen der Netzhaut. Das Vorliegen einer diabetischen Retinopathie kann schnell beurteilt werden und wird oft auch mit einer Kamera dokumentiert.

In spezialisierten Zentren wie Universitäts-Augenklinken wird bei Vorliegen einer diabetischen Retinopathie eine ergänzende Untersuchung der Netzhaut durchgeführt. Es handelt sich um die Fluoreszenzangiographie (FLA). Ein Farbstoff wird in die Armvene injiziert, erreicht die Gefäße der Netzhaut und wird mit einem blauen Licht fotografiert. Die Angiographie gibt genauen Aufschluss darüber, ob und mit welcher Intensität bei einer proliferativen diabetischen Retinopathie therapeutisch gelasert werden muss.

Laserbehandlung:

Wann und wie wird gelasert? Bei Vorliegen einer fortgeschrittenen diabetischen Retinopathie werden große Areale der Netzhaut ausgiebig gelasert. Dadurch wird das Einwachsen abnormaler Netzhautgefäße in den Glaskörper gestoppt und das Zerreißen und eine Einblutung verhindert. Eine Indikation zur Lasertherapie wird gestellt, wenn bereits eine proliferative Retinopathie vorliegt oder eine nichtproliferative Verlaufsform sich zu verschlechtern droht. Bei einem Befund im Anfangsstadium mit Mikroaneurysmen und Exudaten würde man meist abwarten und dem Patienten zu engmaschigen Kontrollen raten. Auch bei nicht proliferativer diabetischer Retinopathie neigt man zu einer Laserbehandlung, wenn es sich um den risikoträchtigeren Typ-1 Diabetes handelt und bei zusätzlichen Risiken wie Bluthochdruck, schlechte Blutzuckereinstellung (auch durch die fehlende Mitarbeit des Patienten) oder einer Schwangerschaft.

Bei der proliferativen diabetischen Retinopathie besteht meist kein Zweifel an der Notwendigkeit einer Lasertherapie. Die Laserung der diabetischen Makulopathie muss mit erhöhter Vorsicht durchgeführt werden um eine Schädigung durch die Laserherde an dieser höchst sensiblen Ste,lle zu vermeiden.

Wie läuft die Lasertherapie ab?

Bei der Lasertherapie sitzt der Patient an der Spaltlampe, die mit einer Laserquelle verbunden ist. Nach Gabe von lokalanästhetischen Augentropfen wird ein Kontaktglas auf das Auge gesetzt, durch das der Augenarzt den Laserstrahl auf das zu behandelnde Netzhautareal lenkt. Die Laserung ist in der Regel nicht schmerzhaft. Der Patient hat eher das Gefühl, immer wieder mit Blitzlicht fotografiert zu werden. Die Behandlung findet ambulant statt. Wegen der erweiterten Pupille sollte der Heimweg nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln angetreten werden.

Mehrere hundert Laserherde werden auf einem Drittel, teilweise bis zur Hälfte der Fläche der Netzhaut, gesetzt. Es kann zu Einschränkungen des Gesichtsfelds sowie zu einer veränderten Farbwahrnehmung im Blau–Gelb- Bereich kommen. Dies kann unangenehm sein, aber ohne Laserung ist der Weg zur Erblindung vorgezeichnet.

Operation:

Auch schweren proliferativen Veränderungen (Blutungen), die früher zu Erblindung führten, steht die Medizin heute nicht mehr wehrlos gegenüber. Die moderne Glaskörperchirurgie kann mit Hilfe mikrochirurgischer Instrumente, die über kleine Schnitte ins Auge eingebracht werden, auch fortgeschrittene Veränderungen entschlossen angehen. Dabei können Gefäßneubildungen, Blutungen und Bindegewebsstränge entfernt werden. Eine abgelöste Netzhaut kann wieder befestigt werden. Selbst ein kompletter Ersatz des zerstörten Glaskörpers durch eine künstliche Füllung des Auge, wie zum Beispiel mit Silikonöl, ist möglich.

Medikamente:

Kein Grund zum Verzweifeln! Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren gerade mit Blick auf die Diabetiker rasante Fortschritte gemacht. Von der Erschaffung neuer Insuline und schonender Injektionsformen bis hin zu den Innovationen der Glaskörperchirurgie, mit der es oft möglich ist, Augen zu retten. Und es wird weiter geforscht! Derzeit laufen zum Beispiel klinische Studien, mit Medikamenten zur Blockade von Wachstumsfaktoren oder Hemmstoffen des Enzyms Proteinkinase C.

Die bisherigen Untersuchungen lassen hoffen, dass eines dieser Medikamente das Auftreten oder das Fortschreiten der bedrohenden Veränderungen an der Netzhaut verhindern kann. Erste klinische Daten sind Erfolg versprechend.

 

 

www.augenaerzte-am-dom.de

Foto Auge: Koller

Von: Dr. Roland Keller









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