Raucherbein: Bei ersten Symptomen zum Arzt

Wer beim Gehen heftige Muskelschmerzen spürt, die zum Stehenbleiben zwingen, sollte von einem Facharzt die Gefäße untersuchen lassen. Denn dieses Symptom deutet auf ein Raucherbein hin.

„Raucherbein“ oder „Schaufensterkrankheit“ heißt die periphere arterielle Verschlusskrankheit im Volksmund. Einmal, weil diese Form der Durchblutungsstörung vorwiegend Raucher betrifft, zum anderen, weil die Betroffenen regelmäßig beim Gehen durch heftige Schmerzen im Bein zum Anhalten und Stehenbleiben gezwungen werden. Die Erholungspause nutzen sie unauffällig zum Betrachten von Schaufenstern.

Muskelschmerzen in den Beinen (meistens zunächst in den Waden) treten als Folge eines akuten Sauerstoffmangels bei Belastung auf, wenn die Durchblutung des Gewebes nicht mehr ausreicht. Erst bei einer mindestens mittel- bis hochgradigen Verengung (Stenose) der Arterien ist die Blutzufuhr in den abhängigen Partien zu gering, um die Muskulatur bei längeren Gehstrecken oder bergauf mit Sauerstoff zu versorgen.

Der resultierende Schmerz im Bein ist so stark, dass der Patient ihn nicht überwinden kann. Manchmal kann dem Schmerz auch eine Phase der Gefühllosigkeit und Lähmung (durch Ischämie der peripheren Nerven) folgen.

Stadien der peripheren Durchblutungsstörung:
Es gibt eine Stadieneinteilung der Durchblutungsstörung von I bis IV, die sich nur auf die Krankheitssymptome bezieht und keinen Rückschluss auf Lokalisation, Grad der Gefäßenge oder Länge des Gefäßverschlusses zulässt. Beginnend mit Schmerzen beim Gehen (Stadium II) entwickelt sich die Erkrankung durch Fortschreiten der Arteriosklerose unbehandelt weiter, bis Dauerschmerzen (Stadium III) auch in Ruhe ohne Belastung, oft nachts, den Patienten zermürben.

Mehrere Monate und Jahre können im Einzelfall dabei vergehen. Schließlich können an den Zehen und am Fuß Gewebeareale infolge des Sauerstoffmangels absterben (so genannte Gewebsnekrosen im Stadium IV). Begleitinfektionen erfordern dann oft eine Gliedmaßenamputation, um das Leben des Patienten zu erhalten.

Entstehungsbedingungen der arteriellen Verschlusskrankheit:
Die bekannten Risikofaktoren Rauchen (Nikotin), Bluthochdruck (Hypertonie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Blutfetterhöhung (Hypercholesterinämie) forcieren bei individueller Neigung die Arteriosklerose. Die Häufigkeit des Auftretens und der Schweregrad der Erkrankung nehmen mit der Kombination der Risikofaktoren zu.

Besonders begünstigt für die Entstehung einer Arteriosklerose sind Gefäßgabelungen oder anatomisch vorgegebene Engstellen. Engstellen der Halsschlagadern führen zum Schlaganfall, Verengungen der Herzkranzgefäße zum Herzinfarkt, Nierengefäßstenosen können Hochdruck auslösen und zur Schrumpfniere führen.

Engstellen und Verschlüsse der Becken- und Beinarterien verursachen belastungsabhängige Schmerzen (Claudicatio intermittens) in den Beinen, je nach Verschlusslokalisation im Ober-, Unterschenkel oder Fuß.

Diagnostik:
Die Diagnose einer peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit kann vollständig nicht-invasiv durchgeführt werden. Untersuchungen auf dem Laufband zeigen das Stadium an, die Gehstreckenmessung wird nach der Behandlung als Erfolgskriterium verwandt, Druckmessungen an den Beinen geben Aufschluss über die Lokalisation der Verschlussstrecke.

Schließlich wird das Gefäßsystem mit der so genannten Duplex-Sonographie beurteilt. Damit können sowohl der Grad wie die Ausdehnung einer Engstelle eines jeden gewünschten Gefäßes exakt bestimmt werden. Erst wenn eine Operation als Behandlungsmaßnahme in Betracht gezogen wird, sollte der Gefäßzustand noch angiographisch dokumentiert werden.

Möglichkeiten der Behandlung:
Jeder Patient mit einer Arteriellen Verschlusskrankheit muss hinsichtlich der Behandlung individuell beurteilt werden. Je nach Leidensdruck, der Lokalisation, Anzahl und Ausprägung der Gefäßverschlüsse, der Folgen seiner Durchblutungsstörung (Stadium!) und eventueller Nebenerkrankungen wird ein Therapiekonzept erstellt. Abzuwägen ist in jedem Fall, welche Prognose die jeweilige Maßnahme verspricht, welche zusätzliche Belastung die Behandlung für den Patienten darstellt.

Eine Förderung der Durchblutung kann trotz Fortbestehens der Verschlusssituation erreicht werden durch spezielle Medikamente, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Gleichzeitiges Gehtraining (möglichst in einer entsprechenden Sportgruppe) unterstützt die Ausbildung von Umgehungsgefäßen (Kollateralen), so dass nach einigen Monaten wieder eine den Wünschen des Patienten angemessene Gehleistung aufgebaut wird. Zeitweise kann eine Infusionsbehandlung mit gefäßaktiven Medikamenten sinnvoll sein.

In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass bei Patienten mit fortgeschrittener Durchblutungsstörung, besonders der Beinperipherie, bei denen auch eine invasive endovaskuläre Maßnahme oder Bypass-Operation nicht erfolgversprechend ist, eine lokale arterielle Lyse die Situation erheblich verbessern kann. Darunter versteht man die Infusion eines aggressiv auflösenden Medikamentes in die Arterie, oft mittels eines Katheters, der bis in den Bereich der Verengungen vorgeführt wird.

Während noch bis vor wenigen Jahren die meisten der Verschlüsse im Bereich der Becken- oder Beinarterien durch Bypass-Operationen korrigiert wurden, was mit relativ hohem Risiko und einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt verbunden war, können wir heute durch differenzierte Technik über minimale Incisionen die Gefäße von innen rekonstruieren. Unter geeigneten Bedingungen kann ein Patient mit Arterienverschlüssen jetzt ambulant (bei verlängerter Nachbeobachtung von bis zu 24 Stunden) operiert werden.

Wir unterscheiden bei den endovaskulären Maßnahmen zwischen der alleinigen Gefäßaufdehnung bei Engstellen (der kleinste, auch perkutan durchführbare Eingriff), allerdings mit hoher Wiederverschlussrate, oft schon nach wenigen Wochen, der Dilatation mit Stentimplantation (Sicherung durch eine innere Metallstütze) und der Gefäßeröffnung (bei längerstreckigen Verschlüssen) mit anschließender Sicherung durch eine innenliegende Prothese.

Alle genannten Vorgehensweisen lassen sich minimal invasiv über kleine Leistenschnitte ausführen und erhalten die volle Mobilität des Patienten schon nach wenigen Stunden. Natürlich hat der klassische Bypass mit körpereigener Vene oder Kunststoff-Prothese als Methode der Überbrückung und Umleitung seinen Stellenwert, allerdings konnte die Indikation durch die endovaskulären Verfahren erheblich eingeschränkt werden.

Therapie-Prognose:
Bei günstiger Ausgangslage und komplikationslosem Verlauf gelingt es, die unbegrenzte Gehfähigkeit des Patienten wiederherzustellen. Im fortgeschrittenen Stadium der Gefäßsklerose muss man manchmal damit zufrieden sein, Ruheschmerzen, Gewebsnekrosen und folglich eine Amputation zu verhindern. Meistens lässt sich jedoch die schmerzfreie Gehstrecke des Patienten derart verlängern, dass eine angemessene Lebensqualität resultiert.

Die Ergebnisse gefäßchirurgischer Operationen der vergangenen zwei Jahrzehnte haben gezeigt, dass Arterien, die durch Ausschälplastik, Ersatzvene oder Bypass rekonstruiert wurden, desto bessere Offenheitsraten hatten, je weiter zentral (herzwärts) die ursprüngliche Verschlusssituation gelegen war. Dies hängt mit der Weite des Gefäßlumens und der Flussrate des Blutes zusammen. Hieran hat sich unter der Bedingung der weniger invasiven Techniken nichts geändert. Beckeneingriffe haben in der Regel eine günstigere Prognose als Operationen an den Oberschenkel- und Unterschenkelarterien.

Wesentliche Vorteile der endovaskulären Maßnahmen bestehen in ihrer geringen Traumatisierung des Patienten. Die Betäubung kann örtlich oder als begrenzte Narkose durchgeführt werden und ist auch Patienten mit koronarer Herzkrankheit zumutbar. Die Operationen sind ambulant mit verlängerter Nachbeobachtung von einem Tag durchführbar.

Eingriffe wie Gefäßaufdehnungen (Dilatationen), können mehrfach wiederholt werden, bei Rezidiven (Wiederauftreten der Engstellen und Verschlüsse) kann die endovaskuläre Maßnahme durch Stent oder innere Prothese erweitert werden, Kombinationen mit klassischen Verfahren der Gefäßausschälung, des Gefäßersatzes und der Umleitungsoperation als Bypass sind möglich.

Bei Auftreten von Symptomen der Schaufensterkrankheit, besonders der heftigen Muskelschmerzen beim Gehen, die zur Pause zwingen, sollte eine fachgerechte Untersuchung der Gefäße erfolgen. Verbunden mit gewissen Umstellungen der Lebensart (Rauchverbot) sind neben der medikamentösen Behandlung einige minimal invasive operative Maßnahmen - wie oben beschrieben - bei patientengerechtem Einsatz zur Verbesserung der Lebensqualität oder gar zum Erhalt der Gliedmaßen erfolgversprechend.

Von: Dres. Bosse u. Röntgen









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