Verhütung durch Sterilisation des Mannes - der Frau zuliebe

Die Sterilisation ist eine sehr zuverlässige Methode zur langfristigen Verhütung. In Deutschland entscheiden sich immer mehr Paare dafür. Beim Mann ist die Sterilisation risikoärmer und einfacher als bei der Frau.

Derzeit sind es jährlich rund 30 000 Männer und 40 000 Frauen, die sich in Deutschland einem solchen Eingriff unterziehen.

Bei Frauen werden die Eileiter durchtrennt; hierzu muss in Vollnarkose über die Bauchdecke in den Bauchraum eingegriffen werden. Beim Mann ist die Operation technisch gesehen einfacher und risikoärmer. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt. Er ist kurz (rund 20 Minuten) und schmerzlos.

Über zwei kleine Schnitte rechts und links am Hodensack werden die Samenleiter aufgesucht und durchtrennt. Die Operation spielt sich also relativ an der Körperoberfläche ab und nicht im Bauchraum. Die Sterilisationsoperation beim Mann wird in der Regel ambulant durchgeführt.

Wann Sterilisation?

Die Männer, die sich sterilisieren lassen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Sie wollen in der Regel ihrer Partnerin die Last der Verhütung abnehmen. Die Nebenwirkungen von Hormonpräparaten oder die Folgen mehrerer Schwangerschaftsabbrüche sind meist der Auslöser.

Oft handelt es sich auch einfach um kondom- und pillenmüde Paare. Das Durchschnittsalter liegt bei rund 35 bis 45 Jahren. Grundtenor derjenigen, die es haben machen lassen, ist: „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nicht so lang überlegt“.

Die Entscheidung für oder wider eine Sterilisation ist dennoch gut zu überdenken. Ein schlechter Zeitpunkt für den Eingriff ist nach einem Schwangerschaftsabbruch oder nach einer komplizierten Schwangerschaft.

Auch depressive Verstimmungen oder ungeklärte Partnerschaftsprobleme können die Entscheidung ungünstig beeinflussen. Es gibt Paare bei denen sich die Lust nach dem Eingriff vermindert, weil sie sich nicht mehr für oder gegen eine Schwangerschaft entscheiden können.

Bekannt ist, dass sich von 100 Operierten sechs ihre Zeugungsfähigkeit wieder zurückwünschen, etwa nach dem Tod eines Kindes oder durch neue Lebensumstände wie beispielsweise ein anderer Partner.

Die Sterilisation ist keine Verhütungsmethode für den Moment. Die Operation sollte nur in klaren und stabilen Lebenssituationen erfolgen.

Aufklärungsgespräch:

Vor dem Eingriff werden unsere Patienten, häufig mit der Partnerin, in einem sehr ausführlichen Gespräch aufgeklärt über das, was geschehen wird. Manchmal nehmen sich die Männer auch mal eine Denkpause.

Die Operationstechnik:

Die Operation kann in örtlicher Betäubung oder Allgemeinnarkose erfolgen. Rechts und links am Ansatz des Hodensacks wird ein kleiner Hautschnitt gesetzt. Die Samenleiter werden aufgesucht und es wird jeweils ein Stück entfernt.

Die Enden der durchtrennten Samenleiter werden umgeschlagen, vernäht und verschweißt. Nach abschließender Blutstillung werden die kleinen Hautwunden wieder verschlossen.

Zur Sexualität nach der Operation:

Der Mann bleibt ein Mann, am Sexualverhalten ändert sich gar nichts. Der Samenerguss, die Hormonbildung und das Sexualverlangen bleiben erhalten. Das Liebesleben leidet in keiner Weise darunter. Beim Orgasmus kommt es weiterhin zu einem Samenerguss, der allerdings keine Spermien mehr enthält.

Der Mann ist lediglich nicht mehr zeugungsfähig, da der Weg der Spermien von den Hoden zur Prostata und in die Harnröhre unterbrochen ist, damit der Samenerguss keine Spermien mehr enthält und es nicht mehr zur Schwangerschaft kommen kann. Viele Männer, die sich zu einer Sterilisation entschieden haben, freuen sich auf ein befreites und unbeschwertes Liebesleben.

Um den Erfolg der Operation zu kontrollieren, wird nach einer gewissen Zeit bzw. nach mehreren Ejakulationen der Erguss im Labor untersucht. Hier ist wichtig, dass sich im Erguss keine Spermien mehr befinden. Bis zum Erhalt des Ergebnisses muss weiterhin konsequent verhütet werden.

Mögliche Komplikationen:

Jede Operation hat natürlich ihre Risiken. Neben den allgemein denkbaren Komplikationen wie Blutergüsse, Entzündungen usw. ist hier besonders die sehr seltene spontane Rekanalisierung, die zur ungewollten Vaterschaft führt, hervorzuheben.

Zusammenfassung:

Sterilisationsoperationen sind eine hochzuverlässige Methode zur langfristigen Verhütung. Die sexuellen Empfindungen und die Qualität der Sexualität werden normalerweise nicht beeinflusst.

Die Operation beim Mann ist technisch einfacher und risikoärmer als bei der Frau. Sollte der Eingriff eines Tages durch geänderte Lebenssituationen bereut werden, so kann er zwar mit hohem Aufwand rückgängig gemacht werden, der erhoffte Kindersegen tritt allerdings nur bei unter 50 Prozent der Paare ein.

Obwohl die Operation bei Frauen nachweislich schwieriger und nicht ganz ohne Risiken ist, entscheiden sich ein Drittel mehr Frauen als Männer für den Sterilisationseingriff. Warum eigentlich?

Autor: Dr. Theophil Schindler, Facharzt für Chirurgie; www.praxisklinik-regensburg.de

Von: Dr. Theophil Schindler









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