Wenn plötzlich eine Geschwulst spürbar wird

Ein Leistenbruch wird im Laufe des Lebens immer größer und ist damit aufwendiger zu versorgen. Auch besteht das Risiko einer Einklemmung. Deshalb ist es sinnvoll, bald nach der Diagnose zu operieren.

Mehr als eine Million Leistenbrüche werden jährlich in den USA und in Europa operiert. Ein Leistenbruch kann bei Frauen und Männern in jedem Lebensalter auftreten. Allerdings sind Männer deutlich häufiger betroffen.

Was ist ein Leistenbruch genau?

Ein Bauchwandbruch im Bereich der Leiste. Durch eine vom Bauchinnenraum her kommende Ausstülpung des Bauchfells durch die Bauchwand hindurch entsteht in dieser ein Bruch, in der Fachsprache Hernie genannt.

Hernien können auch im Bereich des Nabels oder an anderen Stellen auftreten. Die häufigste Art ist jedoch der Leistenbruch.

Eine Hernie besteht aus:
· Bruchsack (ausgestülptes Bauchfell)
· Bruchpforte (Bruchlücke)
· Bruchinhalt (Teile von Bauchorganen, die sich im Bruchsack befinden können)

Warum entsteht ein Leistenbruch?

Ursache für die Entstehung von Hernien sind Lücken in den Muskel- und Bindegewebsschichten der Bauchwand. Diese Lücken können angeboren oder im Lauf des Lebens erworben sein.

Im Verlaufe der embryonalen Entwicklung wandern beim Mann die Hoden vom Inneren der Bauchhöhle durch die Bauchwand in den Hodensack. Sie wandern durch einen Kanal,in dem sich später der Samenleiter und die begleitenden Blutgefäße für den Hoden befinden.

Dieser Kanal, der so genannte Leistenkanal, bildet eine Schwachstelle in der Bauchwand, an der die so genannten Leistenbrüche auftreten. Bei der Frau ziehen natürlich keine den Hoden versorgende Strukturen durch diesen Kanal, sondern das so genannte Ligamentum teres uteri, ein Halteband der Gebärmutter.

Man unterscheidet in direkte und indirekte Brüche.
Die direkten Brüche durchtreten die Bauchdecken auf direktem Weg. Diese Brüche sind im Lauf des Lebens erworben.

Im Gegensatz dazu gibt es die indirekten Brüche. Diese ziehen entlang der Samenstranggebilde durch den Leistenkanal. Diese Brüche sind angeboren, können aber auch erst im Laufe des Lebens auftreten. Indirekte sind häufiger als direkte Brüche.

Beschwerden und Stadieneinteilung

Das Ausmaß der Beschwerden steht in direktem Zusammenhang mit der Größe des Bruches. Oft werden nur geringe Schmerzen beim Anspannen der Bauchmuskulatur, wie beispielsweise beim Heben schwerer Lasten oder beim Pressen zum Stuhlgang, bemerkt.

Schmerzen entstehen, indem sich das Bauchfell ausstülpt und gereizt wird. Wenn der Bruch durch die Bauchhöhle nach außen gleitet, entstehen ziehende Beschwerden und wenn der Bruch wieder zurück leitet, bessern sich die Beschwerden nach einer gewissen Zeit wieder.

Als Komplikationen können Stuhlunregelmäßigkeiten durch Irritationen des Darms auftreten. Ein nicht mehr zurück gleitender Bruch ist oft mit Komplikationen verbunden.

Es kann lebensgefährlich werden, wenn sich ein Darmabschnitt in der Bruchpforte eingeklemmt und von der Blutversorgung abgeschnitten wird. In solchen Fällen ist eine umgehende Notfalloperation erforderlich.

Es ist möglich, dass die Beschwerden über Jahre hinweg gleich bleiben. Die Gefahr einer Einklemmung ist damit jedoch nicht ausgeschlossen.

Diagnose

Die so genannte Inspektion erfolgt zuerst. Hier wird auf eine möglicherweise sichtbare Vorwölbung in der Leistenregion geachtet.

Dann folgt die manuelle Untersuchung. Vom Hodensack aus wird mit dem Finger zum äußeren Leistenring hin getastet.

Sie werden als Patient zum Husten aufgefordert. Es wird darauf geachtet, ob ein Anprallen des Darms an der Fingerspitze zu bemerken ist. In seltenen Fällen können eine sonographische Untersuchung oder spezielle Röntgenuntersuchungen erforderlich werden.

Wie wird Ihr Leistenbruch optimal behandelt?

Die Indikation zur Operation ist bereits mit der Diagnosestellung gegeben, denn ein unbehandelter Leistenbruch bleibt immer vorhanden, er vergrößert sich sogar zunehmend und führt mehr und mehr zu Beschwerden.

Nur in extrem seltenen Ausnahmen, zum Beispiel einem unvermeidbar hohen Operationsrisiko, muss auf eine Operation verzichtet werden und es wird ein Bruchband benutzt. Ein Bruchband verhindert jedoch nicht zuverlässig eine Einklemmung.

Es gibt verschiedene Techniken, einen Leistenbruch zu operieren. Im wesentlichen unterscheidet man traditionelle Techniken, die den Bruch durch direkte Naht verschließen und moderne Methoden, bei denen ein Netz eingesetzt wird.

Beim direkten Nahtverschluss werden vereinfacht gesagt die benachbarten Muskeln über der Bruchlücke zusammengezogen und vernäht. Die zum Verschluss notwendige Spannung führt nach der Operation zu Schmerzen.

Das unter Spannung genähte Gewebe kann einreißen, was zum neuerlichen Auftreten eines Bruches führen kann, einem so genannten Rezidiv. Die Rezidivrate beträgt je nach Operationsmethode etwa zwei bis zehn Prozent.

Ein Netz dagegen wird spannungsfrei in die Bruchlücke eingesetzt. Die benutzten Polypropylen-Netze werden mittlerweile seit fast 40 Jahren verwendet und sind gut verträglich.

Besonders hat sich in den letzten Jahren eine in den USA entwickelte Methode, die so genannte Plug-Technik, durchgesetzt. Über eine Million Patienten wurden mittlerweile in den USA und in Europa mit dieser Methode operiert.

Die Plug-Technik


Der erforderliche Hautschnitt ist nur rund sechs Zentimeter lang. Die Bruchlücke wird mit einem kegelförmigen Netz aus Biomaterial verschlossen.

Dieser so genannte Plug wird in die Bruchlücke eingeführt und fixiert. Ein darüber gelegtes flaches Netz deckt den Plug unter Umschließung des Samenstrangs in einer zweiten nochmals stabilisierenden Schicht ab

Die Plug-Technik bietet Ihnen gegenüber der Technik mit direktem Nahtverschluss folgende Vorteile: Einfachere Operationstechnik. Die postoperativen Schmerzen sind deutlich weniger als beim unter Spannung genähten konventionellen Bruchpfortenverschluss. Die Rezidivrate ist geringer.

Die täglichen körperlichen Aktivitäten können früher, im Durchschnitt nach drei Tagen, aufgenommen werden.
Bereits nach zwei Wochen kann wieder Sport getrieben und schwere körperliche Arbeit geleistet werden.

Zusammenfassung

Ein Leistenbruch wird im Laufe des Lebens immer größer und damit aufwendiger zu versorgen. Beim unversorgten Bruch besteht stets das Risiko einer Einklemmung mit entsprechenden Komplikationen. Es ist medizinisch sinnvoll, eine Hernie bald nach Diagnosestellung zu operieren.

Bei den Operationstechniken unterscheidet man im wesentlichen Methoden, bei denen der Bruch durch Naht der Muskel- und Faszienschichten verschlossen oder spannungsfrei ein Kunstfasernetz eingesetzt wird.

In den letzten Jahren etablieren sich zunehmend die Techniken mit Netzimplantationen, nicht zuletzt wegen der geringeren postoperativen Beschwerden und der geringeren Rezidivrate.

Für weitere Fragen und Informationen wenden Sie sich an Ihren Chirurgen oder Ihren Facharzt!

Von: Dr. Theophil Schindler









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