Immer mehr Frauen wünschen sich einen Kaiserschnitt

Immer mehr Frauen entschließen sich dazu, ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu bringen. In den letzten zehn Jahren ist die Kaiserschnittrate in Deutschland um 27 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2004 kam jedes vierte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Rund zehn Prozent davon sind Wunschkaiserschnitte. In Bayern sind die Zahlen noch höher, Tendenz steigend.
Ist der so genannte Wunschkaiserschnitt – eine Sectio ohne medizinische Indikation - also die Geburtsmethode der Zukunft?

Die Befürworter versprechen mehr Sicherheit und Planbarkeit und überlassen nichts mehr dem Zufall. Geburtshilfliche Visionäre wie Professor Husslein, Ordinarius der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Wien, sagen voraus, dass die Geburtsmethode der Wahl künftig die elektive Sectio darstellt.

Gegner beklagen einen Verfall der geburtshilflichen Kunst und bangen gar, dass die natürliche Geburt zum Auslaufmodell werden könnte. Hebammen machen sich Sorgen über diese Entwicklung. Sie meinen, dass den Frauen das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, vaginal zu entbinden, abhanden kommt.

Was sind die Gründe dieser Entwicklung?
Früher stand die Sorge um das Kind im Mittelpunkt der Entscheidung über die Geburtsmethode. Frauen heute, die sich für den Wunschkaiserschnitt entscheiden, nennen als Gründe dafür zunehmend Ängste um die eigene Gesundheit. Angst vor Schmerzen und die Sorge um Beckenboden-Veränderungen mit Einbußen der sexuellen Erlebnisfähigkeit nach einer normalen Geburt werden als häufigste Argumente genannt.

Zunehmend wird Planbarkeit geschätzt. Auch traumatische Geburtserlebnisse führen oft zum Wunsch nach Sectio bei der Folgegeburt.

Die zunehmende Selbstbestimmung der Frau also, in anderen Lebensbereichen längst normal und gelobt, führt auch in der Wahl der Geburtsmethode immer mehr dazu, dass Frauen ihre Wünsche durchsetzen.

Darf der Geburtshelfer diesem Wunsch einfach nachkommen?
Nach neuesten Daten unterscheiden sich aus geburtshilflich-klinischer Sicht die Risiken der Wunschsectio nicht von denen einer vaginalen Geburt. Moderne Anästhesieverfahren und sanftere, schnellere Operationstechniken haben dazu beigetragen. Auch geänderte postoperative Pflege - wie Verzicht auf Drainagen und Infusionen - führte dazu, dass sich das Wochenbett kaum noch von dem einer Frau nach vaginaler Geburt unterscheidet.

Auch aus juristischer Sicht ist ein Wunschkaiserschnitt zulässig. Allerdings liegt die Hürde der umfassenden Aufklärung hoch. Rechtzeitig soll die Besprechung aller Für und Wider erfolgen. Eine detaillierte, dem individuellen Risiko angepasste Aufklärung ist nötig. Genügend Bedenkzeit für eine Entscheidung zu lassen, ist so selbstverständlich wie eine Erörterung der wählbaren Narkoseverfahren.

Jede Frau muss wissen, wie der Eingriff im Einzelnen abläuft und mit welchen Risiken und Folgen sie rechnen muss. Der beratende Geburtshelfer und Operateur sollte zusammen mit der betreuenden Hebamme vorurteilsfrei informieren. Die Schwangere soll die Entscheidung über den gewünschten Geburtsmodus bewusst treffen können.

Lassen wir der Frau die Wahl, sich für das eine oder das andere zu entscheiden. Ohne Zwang. Aber auch ohne schlechtes Gewissen.

Von: Dr. Wolfgang Schneider









« zurück


© conceptnet