Wandel in der Brustkrebstherapie

Patientinnen mit etwas höherem Risiko, wieder einen Tumor zu bekommen, sollten nach neuesten Erkenntnissen einen der neuen Aromatasehemmer wie Exemestan, Anastrozol oder Letrozol erhalten.

Jahrzehntelang war die Therapie bei Patientinnen nach den Wechseljahren - nach Operation eines Mammakarzinoms und einem Tumor, der auf Hormone anspricht - mit dem Antiöstrogen Tamoxifen. Schon seit über 100 Jahren weiß man, dass eine Veränderung des hormonellen Milieus durch Entfernung der Eierstöcke bei Patientinnen vor dem Wechsel den Verlauf der Tumorerkrankung positiv beeinflusst.

Nebenwirkungen wie eine verstärkte Thromboseneigung, gelegentlich auftretende vaginale Blutungen und eine geringe Gewichtszunahme standen im Hintergrund im Vergleich zu den Überlebensvorteilen gegenüber Patientinnen, die dieses Medikament nicht erhalten haben. Auch heute hat Tamoxifen einen ganz hohen Stellenwert in der Brustkrebsbehandlung.

Allerdings werden die Patientinnen nach einer Tagung im Februar des Jahres in St. Gallen nach strengeren Maßstäben in drei Risikogruppen eingeteilt. Vor allem die Patientinnen mit mittlerem oder höherem Risiko sollten einen der neuen Aromatasehemmer wie Exemestan, Anastrozol oder Letrozol erhalten.

In langjährigen Vergleichsstudien hat sich für die Patientinnen mit etwas höherem Risiko eines Wiederaufflackerns des Tumors ein eindeutiger Vorteil im Vergleich zur Tamoxifenbehandlung ergeben. Auch kann es sinnvoll sein, bei den Patientinnen, die schon vor zwei Jahren operiert wurden, nach der zweijährigen Tamoxifenbehandlung noch auf eines der neuen Medikamente umzustellen .

So hat die Patientin die Vorteile von Tamoxifen genutzt - dieses Medikament wirkt zum Beispiel der Osteoporose entgegen - und die Vorteile der neuen Aromatasehemmer, die kein Risiko für die Gebärmutterschleimhaut darstellen.

Die Therapie der Patientinnen hat sich also seit den Empfehlungen der Experten im Februar gewandelt.
Es ist sehr wichtig für jede betroffene Patientin, im Rahmen der Nachsorge das Behandlungskonzept mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin zu besprechen und eventuell zu ändern.

Ja sogar, wenn Tamoxifen schon abgesetzt wurde, kann es sinnvoll sein, im Anschluss noch eines der neuen Medikamente zu nehmen. Je nach Risikoprofil erstellt aus Menopausenstatus (vor oder nach den Wechseljahren), Histologie (feingewebliches Ergebnis) und Hormonrezeptorstatus entscheidet der Frauenarzt oder die Frauenärztin im Zweifelsfall mit einem Expertenteam in einer Konferenz des Brustzentrums Regensburgs, ob und wann ein neuer Aromatasehemmer eingesetzt wird.

Von: Dr. Andrea Kurkowski









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