Darmspiegelung: 30 Minuten für eine gesunde Zukunft

Darmkrebs entwickelt sich langsam und ist bei früher Entdeckung gut heilbar. Mit einer Darmspiegelung können ältere Menschen ihr Risiko senken.

Rund 5500 Darmkrebsfälle hat das Tumorzentrum Regensburg zwischen 1992 und 2003 erfasst - die Gesamtzahl liegt noch höher. In Deutschland sterben jedes jahr 30000 Menschen daran. "15000 könnte man retten, wenn nur die Hälfte der Berechtigten eine Darmspiegelung machen würde", betont Dr. Hans Worlicek. Nur rund zwölf Prozent ab 56 Jahren nutzen bisher die kostenlose, halbstündige Untersuchung mit einem Schlauchsystem und einer Mini-Videokamera.

Der niedergelassene Gastroenterologe erklärt, warum sich die Spiegelung lohnt: Wenn der Patient - ab 56 Jahren oder mit Betroffenen in der engeren Familie - zur Vorsorge kommt, bevor er Beschwerden hat, entdeckt der Arzt einen möglichen Krebs meist im heilbaren Stadium.

Außerdem kann der Spezialist etwaige Polypen, die gutartigen Krebsvorstufen, entfernen. Dr. Worlicek und seine Kollegen zwicken diese entweder mit einer Zange weg oder tragen größere Polypen mit einer Schlinge ab.

Von alledem spürt der Patient nichts, da er sediert wird, also eine Art "Schlafspritze" erhält. Auf Wunsch kann auch auf die Sedierung, die leichter ist als eine Narkose, verzichtet werden. Am Vortag müssen Betroffene eine Abführlösung und zwei Liter klare Flüssigkeit trinken, vier Stunden vor dem Eingriff nochmals.

Die Vorsorge sollte ernst genommen werden. Das zeigen zwei Fälle aus der Praxis von Dr. Worlicek: Ein dynamischer 55-Jähriger kam, weil seine Frau ihn dazu genötigt hatte. Und dann litt er tatsächlich an Darmkrebs, zum Glück in einem heilbaren Stadium. Er hatte noch keinerlei Beschwerden gehabt. Ein 38-Jähriger ging erst nach einem Jahr mit Darmblutungen zum Arzt. Der dreifache Vater war nicht mehr zu retten, weil sein Krebs Metastasen entwickelt hatte.

Wer sollte eine Darmspiegelung machen lassen, wer ist berechtigt?
- Eine Spiegelung ist immer erforderlich bei Zeichen einer Blutung, Schleimbeimengungen, krampfartigen Bauchschmerzen unklarer Ursache, Zeichen eines Darmverschlusses, unklarer Gewichtsabnahme, neu aufgetretenen Stuhlunregelmäßigkeiten und Windverhaltung, wiederholtem Stuhldrang ohne Erfolg, Blutarmut.

- Das Risiko steigt im höheren Alter: Bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten verdoppelt es sich nahezu. Wenn ein Angehöriger vor dem 60. Lebensjahr erkrankt, ist das Risiko drei bis vier Mal höher. Wenn mehr als ein Verwandter ersten Grades betroffen ist, ebenfalls. Höher ist die Gefahr auch nach Unterleibskrebs bzw. bei Familienangehörigen mit diesen Erkrankungen.

- Die Gesetzlichen Krankenkassen bezahlen 50- bis 55-Jährigen einmal jährlich einen Okkultblut-Test, ab dem 56. Lebensjahr alle zwei Jahre einen Okkultblut-Test oder - besser - eine Darmspiegelung (Koloskopie) mit Wiederholung nach zehn Jahren.

-Der Okkultblut-Test kann einfach gehandhabt werden. Bei einmalig positivem Test ist die Spiegelung obligatorisch. Ein negativer Kontrollbefund erlaubt aber auch keinen Verzicht auf die Koloskopie. Durch regelmäßige Tests kann ein Tumor in einem leichter heilbaren Stadium entdeckt wwerden. Allerdings werden beim Okkultblut-Test nur 50 Prozent der Krebsfälle entdeckt.

-Gesunde Ernährung und viel Bewegung senken das Risiko für Darmkrebs.

Von: Marion Koller









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