Die Sonne mit Verstand und Augenmaß genießen

Die Sommersonne lockt uns nach draußen und hebt unsere Stimmung. Leider denken viele Menschen nicht daran, dass ihnen die Sonnenstrahlen auch gefährlich werden können, wenn sie nicht vernünftig damit umgehen.

Wer seine Haut zu lange und schutzlos der Sonne und ihren ultravioletten Strahlen aussetzt, riskiert dabei vorzeitige Hautalterung und Faltenbildung und steigert sein persönliches Hautkrebsrisiko erheblich.

In den vergangenen 30 Jahren ist auch in unseren Breitengraden ein Rückgang der schützenden Ozonschicht um 10 Prozent festzustellen, damit einhergehend eine Zunahme der UV-Strahlung auf die Erdoberfläche und somit eine Steigerung des Sonnenbrandrisikos. Ein Sonnenbrand geht scheinbar schnell vorbei und man sieht der Haut danach meistens nichts mehr an, aber der einmal eingetretene Schaden ist nicht wieder gut zu machen.

"Die Haut vergisst nichts", denn die energiereichen ultravioletten Strahlen (UVA und besonders das noch gefährlichere UVB) dringen tief in die Haut ein. Dort schädigen sie die Erbsubstanz (DNA) in den Zellen und dies kann zu einem dauerhaften Schaden bis hin zum Hautkrebs führen.

Die UVA - Strahlung (Vorsicht beim Besuch eines Solariums!) dringt tief in die Haut ein und erreicht dort die Lederhaut bis hin zum Unterhautgewebe. Schäden in dieser Hautschicht führen zu vorzeitiger Hautalterung und vermehrter Faltenbildung. Besonders gefährlich ist das sehr kurzwellige und deshalb besonders energiereiche UVB (hoher Anteil im natürlichen Sonnenlicht), das Schäden in der oberflächlichen Stachelzellschicht und in der tieferen Basalzellschicht der Haut hervorrufen kann.

Viele Jahre nach den schädigenden Sonnenbränden kann es dann zum Auftreten des gefürchteten Hautkrebses kommen. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang drei verschiedene Typen des Hautkrebses: An erster Stelle wäre hier der äußerst bösartige so genannte "schwarze Hautkrebs" zu nennen, das Maligne Melanom. Im allgemeinen tritt das Melanom wie ein scheinbar neu auftretendes Muttermal auf, kann sich aber auch in einem schon lange vorbestehenden, zunächst harmlosen Muttermal ausbilden.

Man schätzt seine Häufigkeit auf ca. 10 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und pro Jahr, es ist also ein vergleichsweise nicht seltener Krebs. Da das Melanom frühzeitig und sehr aggressiv Absiedlungen (Metastasen) im Körper bildet, ist es so gefährlich und kann, wenn es nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, zum Tode führen.

Etwas weniger gefährlich sind die noch viel häufigeren Basalzellkrebse (Basaliome) und Stachelzellkrebse (Spinaliome), die zwar in der Regel keine Metastasen im Körper verursachen, aber an den Stellen ihres Auftretens gewebezerstörend wachsen und so auch anliegende Organe in Mitleidenschaft ziehen können.

Wer auf richtige Vorsorge und Früherkennung achtet, für den hat der Hautkrebs in all'' seinen Erscheinungsformen den Schrecken verloren. Das Wichtigste ist die Vorsorge. Und das Wichtigste bei der Vorsorge ist die einfache Grundregel: Sonnenbrände vermeiden! Neben der persönlichen (genetischen) Veranlagung ist der Sonnenbrand der größte Risikofaktor bei der Hautkrebsentstehung. Das heißt, wenn jemand Verwandte mit Hautkrebs kennt, dann ist das Hautkrebsrisiko höher und man sollte doppelt achtsam sein.

Für die Vermeidung von Sonnenbränden gibt es ein paar einfache Regeln:

1. Kleidung (ein Hut, weil der Kopf besonders gefährdet ist) ist der beste Sonnenschutz!
2. Am besten vermeidet man die Sonne im Schatten!
3. Die besonders intensiven Strahlen der Mittagssonne meiden!
4. Guten Sonnenschutz betreiben!

Wichtig ist es, seinen individuellen Hauttyp zu kennen und sich beim Sonnenaufenthalt danach zu richten:

Hauttyp 1 ist hellhäutig und blass, hat oft Sommersprossen und blonde oder rötliche Haare, bekommt immer einen Sonnenbrand und bräunt praktisch gar nicht.
Schon nach 10 Minuten in der Sonne ohne Sonnenschutz ist dieser Hauttyp in Gefahr.

Hauttyp 2 hat helle Haut, blonde oder hellbraune Haare, bekommt auch immer einen Sonnenbrand und bräunt nur schwach.
Hier ist man schon nach 15 Minuten in der Sonne in Gefahr.

Hauttyp 3 hat einen getönten Teint, die Haare sind dunkelblond oder braun, Sonnenbrände sind eher mäßig und die Haut bräunt gut. Bis 20 Minuten in der Sonne ist man hier relativ sicher.

Hauttyp 4 hat braune Haut, die Haare sind dunkelbraun bis schwarz. Einen Sonnenbrand kennt dieser Hauttyp kaum und bräunt stark. Aber auch hier sollte nach 30 Minuten in der Sonne Schluss sein.

In unseren Breitengraden sind die meisten Menschen Hauttyp 2 bis 3.

Der Lichtschutzfaktor (LSF) eines Sonnenschutzmittels sollte dem Hauttyp angemessen sein. Der LSF gibt an, wieviel mal länger man sich mit Sonnenschutz im Vergleich zur ungeschützten Haut der Sonne aussetzen darf; also wenn man z.B. Hauttyp 1 ist und ungeschützt 10 Minuten in der Sonne bleiben könnte, dann kann man mit einem Lichtschutzfaktor von 10 dann zehnmal länger, also 100 Minuten in der Sonne bleiben, aus Vorsichtsgründen sollte man diese Zeiten aber nie ganz ausnutzen, in unserem Beispiel sollte nach 60 Minuten Schluss sein mit dem Sonnenbaden.

Wichtig ist, das Sonnenschutzmittel rechtzeitig, mindestens 20 Minuten vor dem Sonnenbad aufzutragen und auf ein wasserfestes Mittel zu achten, wenn man baden geht. Zu beachten ist auch, dass diese "Sonnenzeit" nur einmal am Tag gilt, man kann also nicht "nachschmieren". Wenn man seine z.B. 1 Stunde "verbraucht hat", dann hat es keinen Sinn, das Sonnenschutmittel erneut aufzutragen - eine weitere Stunde in der Sonne könnte dann gefährlich werden.
Bei Kindern empfiehlt es sich, einen LSF von mindestens 30 zu wählen!

Und wenn man noch an die Früherkennung denkt, dann sollte man von einem Hautkrebs eigentlich nichts oder nicht viel zu befürchten haben:

Die Früherkennung ist deswegen besonders wichtig, weil ein rechtzeitig erkannter und behandelter Hautkrebs seinen Schrecken verloren hat und im allgemeinen nicht zum Tode führt; selbst bei einem rechtzeitig erkannten Malignen Melanom hat man noch hervorragende Heilungschancen.
Für eine erfolgreiche Früherkennung gibt es zwei goldene Regeln, die man in jedem Fall beherzigen sollte:

Jede (!) Hautveränderung, die einem selbst auffällig erscheint, sollte dem Hautarzt vorgestellt werden!
Auffällig sind z.B. alle Stellen, die nicht nach 6 Wochen abgeheilt sind; auffällig sind auch Muttermale, die sich verändern; auffällig sind Muttermale nicht nur, wenn sie dunkler werden sondern auch und gerade, wenn sie heller oder rötlicher werden!

Einmal im Jahr sollte man ein Muttermal-Checkup (Hautkrebs-Screening) beim Hautarzt machen!

Wenn ein Hautkrebs diagnostiziert wird, dann ist die Operation mit einem gewissen Sicherheitsabstand meistens die beste Therapie und führt, vorausgesetzt, der Hautkrebs wurde in einem Frühstadium entdeckt, mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer zuverlässigen Heilung.

Wenn jemand schon einmal einen Hautkrebs hatte, dann empfiehlt sich als Vorsichtsmaßnahme eine lebenslange Nachkontrolle.


Wenn Sie diese einfachen Regeln befolgen: Dann viel Spaß in der Sonne und im Sommer!

Von: Dr. Rüdiger Ehlert









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