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Schwerhörigkeit sollte man nicht als Schicksal hinnehmen, sondern aktiv angehen. Oft hilft ein kleiner, operativer Eingriff. Wer nichts gegen die Schwerhörigkeit unternimmt, dem droht langfristig die soziale Isolation.
Unter einer Schwerhörigkeit verstehen wir eine Minderung des Hörvermögens unterschiedlichen Grades, die entweder ein- oder beidseitig bestehen kann. Sie ist angeboren oder wurde im Laufe des Lebens erworben. Eine Schwerhörigkeit kann je nach Ursache vorübergehend, zunehmend oder andauernd sein.
Das Thema Schwerhörigkeit gewinnt aus mehreren Gründen an Bedeutung: Weil die Menschen immer älter werden und wegen der zunehmenden Lärmbelastung am Arbeitsplatz und in der Freizeit, Stichwort Diskothek. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Schwerhörigkeit um die am meisten verkannte Behinderung.
In Deutschland gibt es gegenwärtig rund 14 bis 16 Millionen Hörgeschädigte, das heißt 20 Prozent der Bevölkerung sind von einem Hörschaden betroffen. Schwerhörigkeit ist eine Volkskrankheit.
Welche Formen gibt es? Es gibt eine Schallleitungs-Schwerhörigkeit, eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit und eine kombinierte Schwerhörigkeit.
Die Schallleitungs-Schwerhörigkeit betrifft das äußere und vor allem das Mittelohr. Die Schädigung liegt entweder im Bereich des Gehörganges, am Trommelfell, im Mittelohr oder im Bereich der Gehörknöchelchen-Kette. Bei der Schallleitungs-Schwerhörigkeit handelt es sich um ein Problem der Zuleitung des Schalls zum Innenohr.
Bei einer Schallempfindungs-Schwerhörigkeit handelt es sich in der Regel um eine Schädigung im Bereich des Innenohres, im Hörnerv selbst oder im Gehirn. Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit handelt es sich um eine Mischform von Schallleitungs- und Schallempfindungs-Schwerhörigkeit. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt hat vor allem die Aufgabe, die Ursache herauszufinden und das richtige Therapiekonzept zu erarbeiten.
Welche Faktoren sind bei der Diagnostik von Bedeutung? Von zentraler Bedeutung ist, wie bei jeder anderen Erkrankung auch, eine ausführliche Anamnese, das heißt eine eingehende Befragung des Patienten. Dann eine ausführliche Untersuchung.
Wesentlicher Bestandteil ist die Ohrmikroskopie, aber auch die Untersuchung von Nase, Nasen-Nebenhöhlen, Nasenrachen und vor allem eine Prüfung der Tuben, also der Belüftungswege für das Mittelohr. Eine Tubenfunktionsstörung ist sehr häufig Ursache für Mittelohrprobleme.
Für die Diagnose wichtig sind die einzelnen Hörprüfungen. Von vielen möglichen Hörtests werden sicherlich am häufigsten durchgeführt: Das Tonschwellenaudiogramm, das heißt die Überprüfung des Hörvermögens für Töne, und das Sprachaudiogramm, das heißt die Überprüfung der Verständlichkeit der Sprache.
Welche Fragen sind wichtig? Sicherlich die Frage, seit wann die Schwerhörigkeit besteht: Seit der Geburt, der frühen Kindheit, seit einigen Jahren oder handelt es sich um ein akutes Problem, etwa Hörsturz? Die Familienanamnese ist ebenfalls wichtig, das heißt die Befragung des Patienten, ob in der Familie eine Schwerhörigkeit bereits vorliegt, denn viele Formen sind genetisch bedingt, also vererbt.
Die Berufsanamnese ist von großer Bedeutung; zum Beispiel die Frage nach einer Lärmbelastung, etwa bei Schreinern, Schlossern, Bauarbeitern. Lärm ist mit die Hauptursache für eine Schwerhörigkeit.
Weitere Fragen: Handelt es sich um eine ein- oder beidseitige Schwerhörigkeit? Sind zusätzlich zur Schwerhörigkeit Ohrgeräusche vorhanden oder auch Schwindel? Hat der Betroffene Schmerzen? Ist die Schwerhörigkeit bei einem katarrhalischen Infekt aufgetreten? Kommt Sekret aus dem Ohr? Handelt es sich um eine Schwerhörigkeit, die bei einem Unfall aufgetreten ist?
Eine wesentliche Rolle spielt die Frage nach eingenommenen Medikamenten, da es eine Reihe von Arzneien gibt, die ototoxisch sind, also zu einer Schädigung des Innenohrs beziehungsweise des Hörnervs führen. Eine ganz wichtige und alltägliche Frage ist die nach der Reinigung der Gehörgänge mit Wattestäbchen. Nicht selten ist ein Ohrenschmalzpfropf die Ursache für akute Schwerhörigkeit. Ohrenschmalz kann durch Spülung und Absaugen oder mit der Kürette rasch entfernt werden.
Die ohrmikroskopische Untersuchung gehört seit vielen Jahren zum Standard jeder HNO-Praxis. Eine ausreichende Beurteilung des äußeren Gehörganges und besonders des Trommelfells und der Mittelohrstrukturen ist nur durch das Mikroskop möglich.
Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es bei Schwerhörigkeit? Die konservative Therapie mit Tabletten, Tropfen, Salben, und Streifeneinlagen. Die Operation. Die apparative Therapie mit einem Hörgerät.
Welche Möglichkeiten haben wir, welche Maßnahmen können wir ergreifen, damit es erst gar nicht zu einer Schädigung des Gehörs kommt oder dass die bereits bestehende Schwerhörigkeit nicht weiter zunimmt? Lärm ist eine der Hauptursachen für die Innenohr-Schwerhörigkeit. Gegen Lärm kann sich jeder schützen. Wenn das etwa aus beruflichen Gründen nicht möglich ist, muss konsequent Gehörschutz getragen werden, beispielsweise in Form von Ohrenstöpseln.
Wenn eine konservative Therapie nicht zum Ziel führt und es sich vor allem um ein Problem im Bereich des Mittelohres beziehungsweise der Gehörknöchelchenkette handelt, kommen alle Formen der gehörverbessernden Operation in Frage.
Ein Schwerpunkt meiner operativen Tätigkeit ist die Mikrochirurgie des Mittelohrs. Die Technik und vor allem die neuen Materialien, zum Beispiel Titan, sind in der Zwischenzeit so ausgereift, dass heute der erfahrene HNO-Mikrochirurg sehr gute Ergebnisse erzielt.
Wenn die Gehörverbesserung, vor allem bei Schallleitungs-Schwerhörigkeit, durch Operation erreicht werden kann, ist das die Therapie der Wahl. Der Eingriff kann mit Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden, ist für den Betroffenen kaum belastend und kann daher bis ins hohe Alter erfolgen.
Ist durch die Operation kein ausreichendes Hörvermögen mehr zu erreichen oder handelt es sich in erster Linie um eine Innenohr-Schädigung, so kommt vor allem die apparative Versorgung in Form eines Hörgerätes zur Anwendung.
Der HNO-Arzt muss die Notwendigkeit für eine Hörgeräteversorgung feststellen. Im Rahmen der medizinischen Betreuung des Schwerhörigen überprüft er regelmäßig die Funktionstüchtigkeit des Hörgeräts. Der Akustiker dagegen ist in erster Linie verantwortlich für das technische Know-how, für die individuelle Anpassung der bestmöglichen Hörhilfe, für die Wartung und für die Hörgeräteschulung.
Welche Assoziationen verbinden wir mit dem Begriff „Hören“? Hören ist unter anderem: Anhören, Aufhören, Erhören, Zuhören, Dazugehören, aber auch Genießen, Kommunizieren, Wissen und vor allem Lebensqualität.
Eine nicht behandelte Schwerhörigkeit führt zur sozialen Isolation, zu Misstrauen und unter Umständen zur krankhaften Umdeutung fremden Verhaltens. Die Folgen sind Frustration, Einengung des persönlichen Horizonts, Vereinsamung, Depression und letztendlich Verzweiflung.
Damit diese schlimme Situation nicht eintritt, darf Schwerhörigkeit nicht schicksalsergeben hingenommen werden, sondern das Problem muss aktiv angegangen werden: Mit einer Untersuchung und Beratung beim HNO-Arzt und durch Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten.
Von: Dr. Erich Gahleitner
   
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