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Wenn ein Kind kaum spricht, kann das am Gehör liegen

Schwerhörige Kinder sollten möglichst früh herausgefiltert werden. Je eher ihnen geholfen wird, desto höher ist die Chance, dass ihre Sprachentwicklung normal verläuft und sie eine Regelschule besuchen können.

Mit speziellen Tests und Therapien erreichen Dr. Matthias Weikert und Dr. Iris Hake dieses Ziel. Die beiden Fachärzte für Phoniatrie/Pädaudiologie und HNO-Heilkunde haben sich spezialisiert auf Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen.

Im einzigen niedergelassenen Kinderhörzentrum der Oberpfalz im Regensburger Gesundheitsforum bei den Arcaden arbeiten sie in einer Gemeinschaftspraxis zusammen mit HNO-Mediziner Dr. Joachim Fuhrmann, drei Logopäden und einer Ergotherapeutin. Ein Pädagoge und weitere Fachärzte im selben Haus werden bei vielen Fällen mit einbezogen.

Eltern sollten laut Dr. Hake fachlichen Rat suchen, wenn ihr Kind mit sechs Monaten noch nicht lautiert, also lalala, bababa oder mamama sagt. Auch wenn es im Alter von ein bis eineinhalb Jahren noch keine Worte spricht und bei lauten Geräuschen nicht erschrickt, kann das auf eine Schwerhörigkeit hinweisen.

Dr. Iris Hake weiß aus Erfahrung, dass Kinder Hörgeräte sehr gut annehmen. „Wenn die Eltern erfahren, ihr Kind braucht eine Hörhilfe, reagieren sie oft ablehnend und betrachten das als Makel“, sagt die 37-Jährige. „Aber für die kleinen Patienten ist das kein Problem. Die erleben, dass es ihnen etwas nützt.“ Ein auf Kinder spezialisierter Akustiker im Gesundheitsforum passt die Hörhilfen mit großem Fingerspitzengefühl an.

Doch nicht jedes Kind, das schlecht hört, muss schwerhörig sein. Oft ist ein so genannter Paukenhöhlenerguss schuld, bei dem Flüssigkeit hinter dem Trommelfell das Hören blockiert. Eine kleine Operation, die die HNO-Ärzte in der Kinderklinik St. Hedwig durchführen, schafft Abhilfe.

Hör- und Stimmspezialistin Hake, die sich in der Gemeinschaftspraxis Weikert vor allem um die ganz jungen Patienten kümmert, rät Eltern, unbedingt das Neugeborenen-Screening gleich nach der Geburt wahrzunehmen. „Die Babys bekommen im natürlichen Schlaf einen Stöpsel ins Ohr, mit dem die Funktion des Innenohrs gemessen wird“, erklärt sie.

Auch Teilaspekte der Lese-Rechtschreib-Schwäche testen die Fachleute im Kinderhörzentrum: Die Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS). Bei einem Gruppentraining wird der Pädagoge Dr. Alfred Leurpendeur in die Behandlung mit eingeschaltet.

Die Initiative für das Kinderhörzentrum geht auf HNO-Arzt Dr. Matthias Weikert zurück. Mit ihm sprach die Mittelbayerische Zeitung.

MZ:
In Ihren Sprechstunden für hör- und sprachgestörte Kinder bieten Sie spezielle, kindgerechte Hörtests für die unterschiedlichen Altersgruppen an. Wie läuft das ab?

Dr. Matthias Weikert:
Ein kleines Kind sagt nicht, ob es etwas hört. Sie müssen es am Verhalten des Kindes sehen. Bei Eineinhalb- bis Vierjährigen wenden wir die subjektive Verhaltens- und Beobachtungsaudiometrie an. Das Kind soll eine einfache Spielhandlung ausführen, wenn es etwas hört. Also sobald der Baustein „piept“, darf es ihn in eine Kiste legen. Bei Babys bis zum Alter von eineinhalb Jahren machen wir eine objektive Audiometrie, messen also die Innenohr-Echos, oder, wenn sie schlafen, die Ableitung der elektrischen Hörreaktion.

MZ:
Heute gibt es fast immer Lösungen, auch wenn ein Kind sehr schlecht hört oder taub ist.

Dr. Weikert:
Tauben Patienten werden kurzfristig Hörgeräte eingesetzt, um zu überprüfen, ob nicht doch ein Hörrest vorhanden ist. Wenn sie dann plötzlich hören, ist das eine große Freude für die Betroffenen. Taube bekommen an der Uniklinik ein Cochlea-Implantat. Sind Entzündungen der Grund für eine Hörstörung, ist manchmal eine sanierende Mittelohr-Operation nötig, die wir in der Hedwigsklinik durchführen. Noch während der Narkose wird die Hörfähigkeit gemessen.

MZ:
Den Eltern raten Sie, unbedingt die kostenlosen U-Untersuchungen wahrzunehmen.

Dr. Weikert:
Ja, denn dabei überprüft der Kinderarzt oder Hausarzt auch das Gehör. Bei Auffälligkeiten sollten die Eltern einen auf kindliches Hören spezialisierten HNO-Mediziner aufsuchen.

MZ:
Gibt es Alarmsignale, die Eltern beachten sollen?

Dr. Weikert:
Wenn ein Kind nicht auf bestimmte Umweltgeräusche reagiert: Geschirrklirren, Klingeln, das Ansprechen seines Namens. Und besonders, wenn es keine Sprachentwicklung zeigt.

Von: Marion Koller








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