Ein Drittel der Pollenallergiker entwickelt Asthma

Mit der warmen Jahreszeit hat auch die Heuschnupfensaison begonnen. Typische Symptome sind die verstopfte, laufende Nase, Niesreiz und juckende Augen. Sie vergällen Allergikern oftmals den Aufenthalt im Freien. Dabei kann der HNO-Arzt diese Beschwerden lindern. Zunächst muss er jedoch mit einer Untersuchung und dem Pricktest (Hauttest) abklären, ob es sich tatsächlich um Heuschnupfen handelt und worauf der Patient allergisch reagiert.

Bei relevanten Beschwerden verschreibt der Mediziner cortisonhaltige Nasensprays. „Im Gegensatz zur landläufigen Meinung und Ängsten hinsichtlich einer Cortisoneinnahme sind diese nebenwirkungsarm, sehr gut verträglich und auch für Kinder ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr geeignet“, betont HNO-Arzt Dr. Klaus Stefan Holler aus Neutraubling. Die Inhaltsstoffe werden bei modernen Präparaten gar nicht mehr ins Blut aufgenommen. „Es spricht nichts dagegen, so ein Spray mehrere Wochen zu nehmen“, urteilt Dr. Holler.

Reicht das nicht aus, verordnet er zusätzlich Allergietabletten, so genannte Antihistaminika. Diese verhindern die Ausschüttung der wesentlichen Botenstoffe der Allergie, machen allerdings manchmal müde. Bei schwersten Fällen, also Patienten, die trotz dieser Mittel keine Luft bekommen, nicht schlafen können und sogar Asthma entwickeln, verschreibt der HNO-Arzt kurzzeitig cortisonhaltige Tabletten.

Besteht schon ein allergieverursachtes Asthma bronchiale, arbeitet Dr. Holler bei der Therapie mit einem Lungenfacharzt zusammen. Entzündungshemmende und bronchienerweiternde Inhalationssprays müssen dann eingesetzt werden. „Außerdem sollte der Patient die allergieauslösende Substanz möglichst meiden“, rät der Facharzt für HNO-Medizin. Wer beispielsweise auf Gräser- und Roggenpollen reagiert, sollte im Mai/Juni bei starkem Pollenflug nicht im Freien Sport treiben. Mehrere Internetadressen verraten, wann bestimmte Pollen fliegen (siehe Infokasten).

Ein Drittel der Menschen mit Heuschnupfen entwickelt Asthma. Um diesen „Etagenwechsel“ zu vermeiden, empfiehlt Dr. Holler Patienten mit starken Beschwerden eine Hyposensibilisierung. Diese lindert die Symptome oft entscheidend und verhindert bei einem Großteil die Entstehung von Asthma. Der Betroffene benötigt danach meist weniger antiallergische Medikamente. Freilich erfordert die Hyposensibilisierung große Disziplin. Sie dauert drei Jahre, in denen der Patient anfangs wöchentlich, nach einem Vierteljahr alle vier bis sechs Wochen zum Spritzen kommen muss. Dabei wird die allergieauslösende Substanz in hochgereinigter und konzentrierter Form zugeführt. Eine Alternative zur Spritzenbehandlung ist für manche Patienten die Hyposensibilisierung mit Tropfen. „Wenn jemand relevant krank und beeinträchtigt ist, keine medizinischen Einwände gegen diese Therapie bestehen, die auslösenden Allergene nicht gemieden werden können und auch ein geeignetes Medikament zur Verfügung steht; macht die Hyposensibilisierung Sinn“, meint Dr. Klaus Stefan Holler.

Hilfe in Apotheke und Internet:

-Bei leichten Beschwerden kann sich der Patient einen rezeptfreien topischen H1-Blocker in Form von Nasenspray oder Augentropfen in der Apotheke holen, ein Medikament, das lokal die Histamin-Ausschüttung blockiert (Histamin ist ein Hormon, das die Abwehrzellen bei allergischen Reaktionen und zeitverzögert ablaufenden Immunreaktionen freisetzen).

-Nützliche Internetadressen: www.aktionsplan-allergien.de (allgemeine Informationen für Patienten); www.dwd.de/pollenflug; www.wetteronline.de/pollen.htm (Pollenflug)

-Erkrankungszahlen: In Deutschland leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung unter einer Pollenallergie.

Foto: Fotolia

 

Von: Marion Koller









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