Für mehr Lebensqualität: Schluckstörungen behandeln

Schwerwiegende Schluckstörungen quälen viele alte Menschen, vor allem Pflegebedürftige. Obwohl eine gezielte Therapie gut helfen könnte, werden die Betroffenen meist künstlich ernährt.

Über 1700 Senioren leben als Pflegefälle in Heimen im Raum Regensburg. Etwa die Hälfte ist laut den HNO-Ärzten und Phoniatern Dr. Iris Hake und Dr. Matthias Weikert von einer Schluckstörung (Fachbegriff „Dysphagie“, speziell bei alten Menschen „Presbyphagie“) betroffen. Diese Zahl ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch bei Jüngeren kann der Schluckmechanismus eingeschränkt sein.

Häufigste Ursachen dafür sind Schlaganfall, unfallbedingtes Schädel-Hirn-Trauma, degenerative Erkrankungen (z.B. Parkinson), Entzündungen des Gehirns, Operationen und Bestrahlungen von Kopf-Hals-Tumoren.

Da diese Patienten meist künstlich ernährt werden müssen, leidet ihre Lebensqualität enorm. Doch nicht nur das: Ohne effektive Diagnose und Behandlung kann die Schluckstörung zu Austrocknung, Mangelernährung, zu allgemeiner körperlicher Schwäche und häufig zu einer Lungenentzündung führen, weil sich die Betroffenen „verschlucken“ und die Speisen und auch schon Speichel in die Lunge gelangen. Das kann sogar tödlich enden.

„Viele Altenheime nehmen diese Leute nur mit PEG“, beobachten die Ärzte. Die PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie) ist eine operativ gesetzte Magensonde, über die der Pflegebedürftige ernährt wird. Der PEG-Patient gelte als „pflegeleicht“, da die zeit- und personalaufwändige Schluckbetreuung und Essbegleitung wegfallen.

„Das ist Alltag in vielen Pflegeeinrichtungen. Die Heime sind überfordert, Pflegekräfte fehlen“, sagen die HNO-Ärzte und Schluckspezialisten Hake und Weikert, die das St. Josef am Ägidienplatz, das Elisabethinum in der Roritzerstraße und das Rotkreuzheim in der Rilkestraße mit betreuen. Dr. Weikert, der dem Regensburger Ärztenetz angehört, spricht von einer „erheblichen Minderung der Lebensqualität. Das ist bitter“. Den Betroffenen könne aber mit einer intensiven Betreuung und Schluckrehabilitation durch Logopäden geholfen werden.

Angehörige können sich an ihren Hausarzt wenden, der dann die Schluckdiagnostik der Phoniater und HNO-Mediziner durch Überweisung veranlasst. „Die Zusammenarbeit ist eng“, beschreibt Dr. Matthias Weikert. „Da haben wir im Regensburger Ärztenetz eine tolle Basis.“

Die Schluckdiagnostik ist die Voraussetzung für die logopädische Behandlung gemäß der Heilmittelrichtlinien der Krankenkassen. Diese übernehmen auch die Kosten. Mit einer schonenden, flexibel-endoskopischen Untersuchungstechnik des Rachen- und Kehlkopfraumes (Fachabkürzung „FEEST“), finden die HNO-Ärzte heraus, warum das Schlucken nicht mehr klappt.

Bei der Rehabilitation wird mit dem Patienten das Schlucken geübt, zunächst mit winzigen Mengen heißen Tees. Durch diesen optimalen Oberflächenreiz wird der Schluckreflex reaktiviert. Die Muskeln werden betastet, stimuliert. Um trotz gestörter Funktion ein sicheres Schlucken zu gewährleisten, übt der Betroffene Ersatzstrategien ein, etwa Haltungsänderungen von Kopf und Hals. Ess- und Trinkhilfen unterstützen den Prozess.

Und natürlich sollten Angehörige ihren Beitrag leisten, indem sie sich bei der Schluck- und Essbegleitung abwechseln und die Freude des Patienten an der oft nur kleinen Mahlzeit unterstützen.


Ansprechpartner in Regensburg bei Schluckstörung:

- HNO-Phoniatrie Gemeinschaftspraxis Dr. Iris Hake, Dr. Joachim Fuhrmann und Dr. Matthias Weikert im Gesundheitsforum bei den Arcaden, Dienstag- und Donnerstagvormittag Sprechstunde für Schluckerkrankungen nach telefonischer Anmeldung unter (0941) 297070 oder
E-mail:info@forumhno.de).

- Tagesklinik für neurologische Rehabilitation im Bezirksklinikum Regensburg; jeden Montag Schlucksprechstunde mit dem Neurologen OA Dr Günter Mayer und der Neurolingustin und Sprachtherapeutin Gabriele Seggewies, Tel. (0941) 941-0.

- Phoniatrische Ambulanz der HNO Poliklinik der Universität Regensburg , OA Dr.med. Alvares (Prof. Dr. T. Hacki) , Tel. (0941) 9449471

Von: Marion Koller









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