Mandelentfernung bei Kindern: Sanftere Operationsmethode

Vergrößerte Gaumenmandeln bei Kindern sind bisher meist vollständig entfernt worden. Jetzt gibt es eine neue, sanftere Operationsmethode, bei der nur ein Teil des Gewebes abgetragen wird.

Vergrößerte Gaumenmandeln können sich im Extremfall in der Mitte berühren (Kissing Tonsills). Bislang sind sie meist ganz entfernt worden (Tonsillektomie). Das bedeutete einen Krankenhausaufenthalt von einer Woche.

Eine neue und sanfte Operationsmethode im Rahmen eines ambulanten Eingriffs kann wirksam durchgeführt werden:
Hierbei werden die Gaumenmandeln nur soweit verkleinert, dass Folgeprobleme beseitigt werden, jedoch die Funktion der Immunabwehr erhalten bleibt.

Bei Kindern sind die Gaumenmandeln in den ersten Jahren wichtige Organe der Immunabwehr. Eindringende Krankheitserreger werden identifiziert, die Immunabwehr wird stimuliert und Abwehrstoffe werden gebildet. Im Rahmen dieser Funktion vergrößern sich Mandeln und "Polypen" oft sehr stark, so dass viele andere Probleme nachfolgen:

- Mangelnde Ohrbelüftung führt zu Mittelohrergüssen mit Schwerhörigkeit und häufigen Mittelohrentzündungen.
- Die Verlegung der Atemwege im Schlaf führt zum Schnarchen, bis hin zu Atemaussetzern (Schlafapnoe) mit einer verminderten Sauerstoffzufuhr.

Die Folgen dieses wenig erholsamen und unruhigen Schlafes zeigen sich am folgenden Tag: Die Kinder sind unausgeschlafen, unkonzentriert, quengeln. Bei Schulkindern treten Konzentrationsprobleme, Lernschwierigkeiten usw. auf.

Morgendliche Schluckbeschwerden durch die nächtliche Mundatmung und eine zunehmend "kloßige" Sprache fallen auf. Bei einer Mundatmung über lange Zeit kommt es (durch den fehlenden Zungendruck) zu Fehlentwicklungen im Kiefer-Zahnbereich, Ausbildung eines so genannten hohen oder gotischen Gaumens mit Bissstörungen etc.

Dieses neuartige, minimalinvasive Verfahren wurde von der Fa. Artho-Care entwickelt und wird von HNO-Arzt Dr. Walter Stehle im Regesburger Castra-Regina-Center mit großem Erfolg angewendet. Mit dieser so genannten Coblations-Methode wird eine zielgenaue, blutungs- und risikoarme Teilabtragung des überschüssigen Gaumenmandelgewebes erreicht.

Besonders erfreulich ist die sehr geringe Nachblutungsgefahr, die postoperativen Beschwerden sind äußerst gering. Falls erforderlich, kann in gleicher Sitzung ambulant auch die vergrößerte Rachenmandel mit entfernt werden.

Von: Dr. Walter Stehle









« zurück


© conceptnet