Nierenschwäche kann schwerwiegende Folgen haben

Chronische Nierenerkrankungen verlaufen häufig schleichend und verursachen erst Beschwerden, wenn die Nierenfunktion irreversibel gestört ist. Deshalb sind eine frühe Diagnose und Behandlung äußerst wichtig.

Im Gegensatz zu Nierenbecken-Entzündungen oder Koliken durch Steine treten meist keine Schmerzen auf. Dies macht das Krankheitsbild der Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) so tückisch. Wichtig ist deshalb, bei frühen Symptomen einer Nierenerkrankung, wie Eiweiß oder roten Blutkörperchen im Urin, die Ursache rechtzeitig abzuklären und eine Therapie einzuleiten.

Neben dem Diabetes mellitus ist mittlerweile der Bluthochdruck die häufigste Ursache einer chronisch fortschreitenden Nierenschwäche bis hin zur Dialysepflichtigkeit. Hier kann man durch eine konsequente Blutdruckeinstellung das Auftreten oder Fortschreiten der Nierenschwäche sehr gut beeinflussen.

Der Bluthochdruck kann aber auch die Folge einer Nierenerkrankung sein. Bei schwer einstellbarem Hochdruck sollte deshalb auch eine Engstelle der Nierenschlagadern ausgeschlossen werden. Dies ist häufig bereits durch eine spezielle Ultraschalluntersuchung möglich.
Eine Engstelle der Nierenarterien kann gut beseitigt werden. Dadurch ist die Hypertonie besser einstellbar und eine Nierenschrumpfung durch die Durchblutungsstörung kann verhindert werden.

Auch chronische Nierenentzündungen können zum Nierenversagen führen. Hier ist es wichtig, die Warnzeichen einer hohen Eiweißausscheidung rechtzeitig zu erkennen und die Ursachen abzuklären. Der Nierenspezialist kann dann den Patienten beraten, in welchen Fällen eine Nierenbiopsie (Gewebeentnahme) notwendig ist, und aus dem Ergebnis die Therapieempfehlung ableiten.

In manchen Fällen reagieren die Nieren auch auf Erkrankungen anderer Organe, wie Bluterkrankungen, Gefäßentzündungen oder rheumatische Erkrankungen. Dann ist eine enge Kooperation mit den entsprechenden Spezialisten gefordert. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Hausarzt ist selbstverständlich.

Manchmal führen angeborene Erkrankungen wie beispielsweise Zystennieren zum chronischen Nierenversagen. Hier werden auch neue Therapieformen erprobt. Der Nierenspezialist (Nephrologe) kann die betroffenen Patienten informieren, in welchen Universitätskliniken Studien mit unterschiedlichen Ansätzen zur Behandlung solcher Erkrankungen durchgeführt werden.

Nierenerkrankungen sind häufig kombiniert mit Diabetes, Erkrankungen des Herzens oder Durchblutungsstörungen. Als Folge einer Nierenschwäche können auch Störungen im Salzhaushalt (Kalium, Kalzium, Phosphat), ein Mangel an Vitamin D, Knochenerkrankungen, Störungen im Säure-Basen-Haushalt und eine Blutarmut auftreten. Der Nierenspezialist wird deshalb immer bemüht sein, nicht nur die Nierenerkrankung, sondern auch die möglichen anderen Probleme als Ganzes zu betrachten und zu behandeln und auch Ratschläge zu Ernährung und anderen Lebensgewohnheiten geben.

Wenn eine Nierenschwäche, wie häufig, noch mit anderen Erkrankungen besteht, ist zu beachten, dass manche Medikamente wegen stärkerer Nebenwirkungen bei Niereninsuffizienz nicht mehr gegeben werden sollten oder in der Dosis reduziert werden müssen. Auch Untersuchungen wie Gefäßdarstellungen, Computer-Tomographie oder Kernspintomographie können bei fortgeschrittener Nierenschwäche wegen der dann zu befürchtenden Nebenwirkungen von Kontrastmitteln problematisch werden.

Falls trotz aller Bemühungen die Nierenschwäche bis zum chronischen Nierenversagen fortschreitet, kann der Nephrologe über alle Möglichkeiten der Ersatztherapie informieren. Es ist sehr wichtig, dass sich der Patient frühzeitig und gut informiert, um mit dem Arzt die geeignetste Behandlung zu wählen. In Deutschland ist jedem Patienten die Wahl gegeben, ob er, wenn notwendig, eine Hämodialyse („Blutwäsche“) im Dialysezentrum oder zu Hause oder aber eine Peritonealdialyse („Bauchdialyse“) als alternatives Heimdialyseverfahren durchführen möchte.

Über die medizinischen Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren wird der Arzt aufklären. Welches Verfahren am besten in die jeweiligen Lebensumstände passt, können nur der Betroffene selbst und seine Angehörigen entscheiden. Als sehr hilfreich hat sich erwiesen, wenn man vor der Entscheidung über ein Dialyseverfahren mit Patienten spricht, die das in Frage kommende Verfahren schon lange praktizieren.

Der Patient und seine Angehörigen werden auch über alle Aspekte der Nierentransplantation informiert. Besonders wichtig ist ein rechtzeitiger Beginn der Transplantationsvorbereitung, wenn vielleicht eine Nierenspende durch einen Angehörigen möglich ist. Es kann angestrebt werden, dass die Lebendspende der Niere erfolgt, wenn sonst die Dialyse eingeleitet werden müsste.

Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation ist es wichtig, die Transplantationsfunktion möglichst lange zu erhalten. Die ambulante Betreuung erfolgt hier in enger Kooperation mit dem Transplantationszentrum in der Praxis oder der Ambulanz, wo der Patient auch vorher behandelt wurde.

Da eine chronische Nierenschwäche lange zu keinen Beschwerden führt, gibt es leider immer wieder die Situation, dass die Erkrankung so lange ignoriert wird, bis eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung wegen Harnvergiftung (Urämie) notwendig ist. Dies sollte man sich durch rechtzeitige Diagnostik, Beratung und Therapie ersparen.


Der Qualitätszirkel Nephrologie: Zusammenarbeit zwischen Nierenspezialisten in Praxis, Klinik und Dialysezentren

Der Qualitätszirkel Nephrologie (Moderator: Dr. Robert Liebl) hat das Ziel, im Interesse der nierenkranken Patienten die Zusammenarbeit von Nierenspezialisten (Nephrologen) in Praxis, Krankenhaus und Dialysezentren zu optimieren. Er dient dem Erfahrungsaustausch, um die Therapie und Vorbeugung von Nierenerkrankungen und deren Folgen laufend zu verbessern.

Hier treffen sich die Fachärzte aus den Praxen und Dialysezentren der Region mit den leitenden Ärzten der Nephrologie des Krankenhauses St. Josef und des Klinikums der Universität. In Ergänzung zum nephrologischen Arbeitskreis am Klinikum der Universität Regensburg haben im Qualitätszirkel Nephrologie alle interessierten Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, Probleme zu diskutieren, schwierige Fälle zu erörtern und Behandlungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Immer wieder werden auch Spezialisten anderer Fachgebiete wie Radiologen, Nuklearmediziner, Gefäßchirurgen oder Urologen eingeladen, um deren Sachkenntnis für die optimale Betreuung unserer Patienten einzubringen.

Von: Dr. Robert Liebl









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