Verkrüppelte Finger und Gelenke müssen nicht sein

„Stark verkrüppelte Gelenke müssen Rheumakranke heute nicht mehr erleben“, betont Dr. Herwig Rumpel. In den letzten Jahren sei ein ganzes Spektrum sehr wirksamer Medikamente gegen rheumatoide Arthritis herausgekommen.
 
 Diese Arzneien beseitigen nicht nur die Symptome, sondern stoppen das Rheuma. Um dauerhafte Gelenkschäden zu vermeiden, sind laut Dr. Rumpel eine frühe Diagnose und Behandlung äußerst wichtig. Denn die rheumatoide Arthritis greift Knochen und Knorpel an.

„Wenn eine Gelenkentzündung nicht innerhalb von etwa drei Monaten abklingt, besteht die Gefahr, dass dauerhafte Schäden entstehen“, sagt der Regensburger Rheumatologe. „Die frühzeitige Behandlung, das Zurückdrängen und Beruhigen der Erkrankung machen den Erfolg aus, weil dann die Zerstörung von Knochen und Knorpel nicht eintritt.“

Da es bis in die 70er Jahre noch keine gute Rheuma-Therapie gab, sondern nur die Symptome behandelt werden konnten, haben die Ärzte damals wegen der belastenden Nebenwirkungen sehr gezögert, Medikamente zu verschreiben. Stattdessen wurden Physiotherapie und physikalische Maßnahmen angewandt.

Heute reagieren die Rheumatologen sofort mit Medikamenten, um die Knochenzerstörung zu vermeiden. „Es gibt eine breite Palette dieser hochwirksamen, neuen Medikamente“, erklärt Dr. Herwig Rumpel. „Die meisten Patienten kann man sehr gut einstellen.“

Nach kurzer Zeit können die Betroffenen ihre Gelenke wieder normal belasten. Nur eine Maximalbelastung sei „schwer zu erreichen“, stellt Rheumatologe Rumpel fest. Bei Maurern, Landwirten und ähnlichen Berufen mit starker körperlicher Belastung stoßen die Ärzte an ihre Grenzen – trotz der sehr guten therapeutischen Möglichkeiten. „Diese Menschen schaffen ihren Beruf trotzdem oft nicht mehr“, weiß Dr. Herwig Rumpel aus Erfahrung.

Oft seien die Patienten wegen der langen Nebenwirkungsliste verunsichert. „Das mache ich lieber nicht“, hört der Rheumatologe von Menschen mit rheumatoider Arthritis, die schnell behandelt werden müssten. Vor allem multimorbide ältere Leute, die ohnehin schon viele Tabletten schlucken müssen, reagieren häufig so.

Das kann im schlimmsten Fall zu Verformungen der Gelenke an Fingern, Hüfte, Knie oder auch der Halswirbelsäule führen. Rheuma kann darüber hinaus Organe schädigen: Lunge, Herz, Augen.

Wann liegt ein Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis vor? Bei Schwellungen in mehr als zwei Gelenken, die über sechs Wochen lang andauern, sollten sich die Betroffenen bei einem Rheumatologen vorstellen. Zusätzlich weisen ein symmetrisches Verteilungsmuster der Schwellungen und eine einstündige oder noch längere Morgensteife der betreffenden Gelenke auf eine rheumatoide Arthritis hin.

In Stadt und Landkreis Regensburg arbeiten Haus- und Fachärzte nach Dr. Herwig Rumpels Einschätzung sehr eng und reibungslos zusammen. Die Hausärzte seien gut geschult, erkennen die Symptome der rheumatoiden Arthritis und überweisen die Patienten dann auch an einen der Rheumatologen vor Ort.

Bei dringenden Fällen werde auf Wunsch des Hausarztes sofort ein Termin vergeben. Mehr als sechs bis acht Wochen Wartezeit kämen bei akutem Rheuma praktisch nicht vor. Bei milderen Verläufen kann die Wartezeit allerdings etwas länger dauern.

Immerhin 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung leiden an rheumatoider Arthritis, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Viele erkranken im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt, der überwiegende Teil aber ab dem 60. Lebensjahr.

Von: Marion Koller









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