Der Elternhörtest - eine wichtige Screeningaufgabe für und in der Familie

Es werden kurz Hör- und Verhaltensleitlinien aufgestellt, die den Eltern dazu dienen können, die Hör-Sprach-Entwicklung Ihrer Kinder in etwa einzuschätzen.        

Elternhörtest

Fünf wichtige Zeit-Lebensabschnitte in der
Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes werden dabei herausgegriffen:

1. Kindesalter 4 Wochen:
- erschrickt Ihr Kind bei Geräuschen, deren Ursache weder sichtbar noch spürbar ist ?
- ändert sich das Verhalten Ihres Kindes, wenn Sie zu ihm Sprechen, ohne daß es Sie sehen kann?
- ändert sich das Verhalten Ihres Kindes, wenn Musik mittlerer Lautstärke erklingt, häufig ein sog. Beruhigungs- und
Lauschverhalten, typisch die Gute-Nacht-Schlaf Kling-Klang-Methode

2. Kindesalter 6 Monate:
- wendet Ihr Kind den Kopf in Ihre Richtung, wenn Sie es rufen, ohne daß es Sie sehen kann ?
- beruhigt es sich, wenn sich in ihrer Nähe Erwachsene oder Kinder unterhalten, die es nicht sehen kann ?
- verändern sich die Laute Ihres Kindes, wenn Sie zu ihm sprechen, ohne, daß es Sie sehen kann ?

3. Kindesalter 1 Jahr:
- reagiert Ihr Kind auf leise Geräusche aus 1 Meter Entfernung (z.B. Ticken eines Weckers, Rascheln von Seidenpapier),
deren Ursache es nicht sehen kann ?
- beruhigt es sich, wenn Sie hinter einer Tür oder einem Möbelstück zu ihm sprechen ?
- kann es ein oder zwei Wörter verständlich sprechen ?
- hält es "Babbelreden", auch wenn es allein ist ?

4. Kindesalter 1 1/2 Jahre:
- reagiert Ihr Kind auf Aufforderungen oder Verbote, die Sie in normaler Lautstärke aus 1 Meter Entfernung aussprechen,
ohne Gesten zu verwenden ?
- kann Ihr Kind mehrere Wörter verständlich sprechen ?
- ahmt es Tierlaute nach ?
- antwortet es auf Fragen: "Wo ist ........ ?" durch Blickwendung oder Deuten ?

5. Kindesalter 2 Jahre:
- wendet Ihr Kind sich Ihnen zu, wenn Sie aus 4 bis 6 Meter Entfernung seinen Namen rufen ?
- kann es einfache Wörter nachsprechen, wenn es Ihren Mund nicht sieht ?
- erkennt es bestimmte Geräusche (Motorengeräusche, Stimmen im Nebenraum), ohne die Geräuschquelle bzw. den
Sprechenden sehen zu können ?
- spricht es sinnvolle zweisilbige Wörter (Mama, ada, Auto, Wauwau, Papa); u. U. Zweiwortsätze (wie Papa brmbrm) ?

Führen Sie diesen sog. Eltern-Hörtest in den genannten Lebensabschnitten mehrmals durch. Dann können Sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit gravierende Hörschäden relativ früh und sicher mit begründetem Verdacht vermuten oder sogar
erkennen. Im Zweifelsfall sollten Sie einen Arzt um Rat fragen, in der Regel Kinderarzt,HNO-Arzt oder Facharzt für Pädaudiologie, der
dann mit gegeignetem kindgerechten Hörtests den Verdacht bestätigen oder ausräumen kann.

Dieser sog. Eltern-Hörtest ist zusammengestellt nach Anregungen aus einem Merkblatt der Berufsgemeinschaft Eltern und
Freunde schwerhöriger Kinder e.V.: Wisssenschaftliche Beratung: Prof. Dr. N. Groß und Dr. R. Wollinger, gemäß
Anamnesebogen zur Feststellung der Hörfähigkeit von U3 bis U8 aus: Der Kinderarzt, 10 (1981) Beilage.

Von: Dr. med. Weikert









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