Die Impfen – muss das sein?

Abhängig vom Umfeld des Kindes

Jeder kennt sie, die klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten und Windpocken. Allerdings ist der Begriff »Kinderkrankheiten« irreführend. Auch Jugendliche und Erwachsene können sich mit diesen Krankheiten infizieren. Jedoch sind der  Verlauf und die Folgen meist viel schwerer als bei Kindern.

»Wir haben einen Vater verloren, der sich bei seinen Kindern an Windpocken angesteckt hat, er verstarb innerhalb einer Woche, er hatte keine Vorerkrankungen. Ein tragischer Fall, so etwas müsste nicht mehr sein in der heutigen Zeit. «, so die Kinderärztin Frau Dr. Renate Eichhorn, Regensburg.  
Zwar gibt es in Deutschland keine Impfpflicht und  die Eltern entscheiden selbst, welche Impfungen ihr Kind bekommen soll,  doch die Kinderärztin plädiert für die Impfungen gemäß den Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).
Obwohl nur ein sehr geringer Teil der  Eltern, ihre Kinder überhaupt nicht impfen lässt,   Unsicherheit oder Skepsis gegenüber bestimmten Impfungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen.

»Polio, Diphtherie und Tetanus, das reicht. Die  Kinder sollten schon auch Kinderkrankheiten durchmachen,  das stärkt doch die Abwehrkräfte.«, so eine überzeugte Impfgegnerin.

Doch die Verharmlosung von Kinderkrankheiten wie z. B. den Masern, hält Dr. Renate Eichhorn für gefährlich.  Vor  so genannten "Masernparties", bei denen die bewusste Ansteckung der Kinder mit Masern provoziert wird, kann nur dringend abgeraten werden. Gerade diese Krankheit, mit der sich auch Erwachsene anstecken können, kann zu ernsthaften Komplikationen wie Hirnhautentzündung mit lebenslangen Hirnschäden führen.

»Aber man hat doch  schon genug über Impfschäden gehört, diesem Risiko möchte ich mein Kind nicht aussetzen.«, eine besorgte Mutter.

»Ich habe in meiner 30-jährigen Praxis noch nie schwerwiegende Impfreaktionen erlebt,«, sagt die Kinderärztin, »bevor Impfstoffe zugelassen und eine Impfempfehlung ausgesprochen wird, ist eine positive Risikoabwägung (mehr Nutzen als Schaden) die Voraussetzung dafür. Die Rate von Hirnentzündungen beträgt bei Masern ca. 1: 1000, nach Masernimpfungen jedoch nur 1:1 000000, also erheblich weniger. Nach der empfohlenen 2-maligen Masernimpfung besteht ein lebenslanger  Schutz.  Auch bei Mumps kommt es immer wieder zu Hirnhautentzündungen oder bei Jungen im Erwachsenenalter zu  Unfruchtbarkeit, wenn der Hoden mitbetroffen ist. Eine Poliomyelitis ist mit lebenslangen Lähmungen verbunden.

Eine Keuchhustenerkrankung stellt eine starke Belastung für die Entwicklung des Kindes dar. Ungeimpfte tragen außerdem ein höheres Risiko, eine Krankheit erst im Erwachsenenalter durchzumachen, die mit schweren Komplikationen verlaufen kann.«

Viele Krankheiten könnten durch konsequentes Impfen ausgerottet werden, dies sieht man im Vergleich mit anderen Ländern wie z. B. Nord- und Südamerika, wo  seit   8 Jahren   keine Masern-Fälle mehr gemeldet wurden. Kinderlähmung kommt dank umfassender Impfprogramme laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und der Westpazifik-Region nicht mehr vor; in Nigeria, Indien, Pakistan und Afghanistan ist sie jedoch noch verbreitet.
»Impfmüdigkeit kann ich in meiner Praxis nicht bestätigen, meine Patienten sind zu 99% geimpft.« 

Beim Impftermin des Kindes können  Eltern gleich ihren  Impfausweis prüfen und  die fehlenden Impfungen nachholen lassen.  Pädiater können somit einen wesentlichen Beitrag zur Überprüfung und Auffrischung des Impfschutzes der erwachsenen Bevölkerung leisten.

Foto: Fotolia



© conceptnet