Ambulante Operation hat viele Vorteile für den Patienten

Jeder Patient, ob gesetzlich oder privat versichert, kann sich bei einer ambulanten OP seinen Operateur aussuchen. Krankenhaus-typische Keime sind in ambulanten OP-Sälen deutlich seltener, die Infektionsrate ist geringer.

Das sind die wichtigsten Vorteile gegenüber einem stationären Aufenthalt. In Deutschland werden im internationalen Vergleich immer noch die wenigsten Operationen ambulant durchgeführt. Krankenkassen und Politik wollen dies ändern.

Deshalb übernehmen die Krankenkassen die stationären Kosten bei einigen Operationen (z.B. Meniskus) nur noch in Ausnahmen (schwere Begleiterkrankungen oder fehlende häusliche Versorgung). Auch ehemalige Domänen der stationären Versorgung wie die Kreuzbandchirurgie sind betroffen. Immer häufiger lehnt der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Übernahme der stationären Kosten ab.

Durch Einführung schonender OP-Verfahren (minimalinvasiv-arthroskopisch) können immer mehr Eingriffe ambulant durchgeführt werden. Dies gilt besonders für die Knie- und Schulterchirurgie, die aufgrund verbesserter arthroskopischer Techniken geradezu revolutioniert wurde.

Aber auch einige Krankenhäuser erkennen die Zeichen der Zeit und kooperieren mit hoch spezialisierten niedergelassenen Fachärzten. Genau wie manche Krankenkassen, die mit qualifizierten Praxen so genannte Verträge zur Integrierten Versorgung (IV) abschließen, in denen die Operation sowie die Vor- und Nachbetreuung unter strengen Qualitätskriterien geregelt werden.

Aber was für Vorteile hat das alles für den Patienten? Jeder Patient kann sich seinen Operateur aussuchen. Auch kann er sich zwischen der Nachbetreuung durch den Operateur oder den Hausarzt frei entscheiden. Krankenhaus-typische Keime sind in ambulanten OP-Sälen deutlich seltener, so dass die Infektionsrate geringer ist.

Sollte nach einem ambulanten Eingriff aus welchem Grund auch immer eine stationäre Aufnahme nötig sein, haben die meisten ambulanten Operateure Kooperationskliniken, die dies gewährleisten. Das zum Teil freundschaftliche, immer aber kollegiale Verhältnis, garantiert auch in dieser Situation die optimale Betreuung.

Wie läuft zum Beispiel eine Kreuzband-Operation ab? Nach intensiver Untersuchung veranlasst der Facharzt, falls nötig, weitere diagnostische Maßnahmen wie Röntgen oder Kernspin. Bei klarer Diagnose und sicherer Operations-Indikation wird ein OP-Termin ausgemacht, den sich der Patient je nach Arbeits- und Familiensituation einrichten kann.

Etwa eine Stunde vor dem Eingriff findet sich der Betroffene im Ambulatorium ein. Der OP-Saal muss den Vergleich mit der Klinik nicht scheuen. Nach Begrüßung durch Operateur und Narkosearzt legt sich der Patient auf den OP-Tisch. Über einen intravenösen Zugang wird schonend die Narkose eingeleitet.

Mit Hilfe einer Optik, die an ein Videosystem angeschlossen ist, wird das Gelenk nochmals gründlich untersucht, die Diagnose bestätigt und festgelegt, welche Schäden operativ versorgt werden. Ist die Diagnose Kreuzbandriss gesichert, wird über einen zwei Zentimeter langen Schnitt am Schienbeinkopf die so genannte Semitendinosus-Sehne entnommen und einem zweiten OP-Team übergeben.

Dieses präpariert daraus das neue Kreuzband. Zeitgleich kann das erste Team über die Gelenkspiegelung Schäden beheben: zum Beispiel Meniskus-Risse nähen oder teilentfernen oder Knorpelschäden behandeln.

Beide Teams sind aufeinander eingespielt, da sie seit Jahren diese Eingriffe miteinander durchführen. Der Kreuzband-Ersatz ist im allgemeinen 7,5 Zentimeter lang und neun Millimeter dick. Er wird über die vorhandenen Hautschnitte in Bohrkanäle eingebracht. Die Lage der Bohrkanäle ist für den Erfolg entscheidend. Hierfür sind hoch spezialisiertes Zielinstrumentarium und Bohrer vorhanden. Das Kreuzband wird mit zwei selbst auflösenden Schrauben mit gegenläufigem Gewinde befestigt, die das Transplantat beim Anschrauben anspannen.

Kaum sind die drei kleinen Hautschnitte vernäht, wacht der Patient auf. Etwa 45 Minuten dauert der Eingriff. Im Aufwachraum nimmt der Operateur Kontakt zum Patienten auf und erkundigt sich nach dessen Befinden. Bei Schmerzen verabreicht der Narkosearzt Medikamente.

Nun wird der Operierte in ein Bett umgelagert, wo er sich erholen kann. Der Operateur informiert ihn über den Verlauf der OP. OP-Bericht, Nachbehandlungsschema und Qualitätssicherungs-Bögen werden ausgehändigt. Wenn es dem Patienten gut geht, kann er sich jetzt abholen lassen.


Der Qualitätszirkel (QZ) Ambulantes Operieren des Regensburger Ärztenetzes, der sich unter anderem mit diesen neuen Methoden der Knie-OP beschäftigt, besteht seit 2000. Im vierteljährlichen Turnus treffen sich unter Moderation des Regensburger Orthopäden Dr. Holger Ertelt operativ tätige Chirurgen, Orthopäden, HNO-Ärzte, Urologen und Gynäkologen sowie Anästhesisten, Pathologen und postoperativ nachbetreuende Hausärzte. Erarbeitet werden neue OP-Verfahren sowie qualitätssichernde Maßnahmen beim ambulanten Operieren.

Ziel ist, die Vorbereitung des Patienten vor dem Eingriff und die Nachbetreuung in enger Zusammenarbeit mit dem Hausarzt zu standardisieren, aber auch auf individuelle Probleme des Patienten durch die enge Vernetzung der Schnittstelle Operateur – Hausarzt einzugehen. Durch Einführung eines Qualitätsmanagements kann jeder teilnehmende Operateur Qualität, Komplikationshäufigkeit und Patientenzufriedenheit bei seinen Eingriffen überregional vergleichen.

Von: Dr. Holger Ertelt









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