Arthrose: Therapiemöglichkeiten von der Spritze bis zur OP

Die Arthrose, besonders des Hüft- und des Kniegelenks, zählt zu den häufigsten Problemen des Bewegungsapparats. 100 000 künstliche Kniegelenke und 160 000 Hüftgelenke werden jährlich in Deutschland eingesetzt.

Das zeigt die große Bedeutung für Medizin und Volkswirtschaft. Der Operation geht meist ein langer Leidensweg voraus, geprägt von Schmerzen und Bewegungseinschränkung.

Die interdisziplinäre Behandlung der Patienten stellt eine Herausforderung dar und gelingt nur in optimaler Zusammenarbeit der medizinischen Disziplinen: Hausarzt, Orthopäde bzw. Chirurg, Anästhesist, Physiotherapeut, Krankenhaus, Reha-Klinik. So können Lebensqualität der Betroffenen und Funktion der Prothesen optimiert werden.

Die Ursachen von Arthrosen sind familiäre Faktoren, angeborene Fehlstellungen, in Fehlstellung verheilte Frakturen, aber auch weitere Verletzungen, falsches Alltags- oder sportliches Verhalten sowie Übergewicht. In vielen Fällen erfolgt anfangs eine Selbstbehandlung mit Salben oder frei verkäuflichen Medikamenten, die aber nur die Beschwerden lindern.

Allerdings sollte man nicht zu lange selbst therapieren. Denn Schmerzen führen immer zu einer Schonhaltung mit Folgen für den gesamten Bewegungsapparat, so dass dann z.B. Rückenschmerzen die Behandlung komplizieren.

Der Hausarzt wird nach Erfragung der Vorgeschichte das Gelenk und den angrenzenden Bewegungsapparat untersuchen. Das therapeutische Spektrum umfasst entzündungs- und schmerzlindernde Medikamente (Antirheumatika), Elektrotherapie, lokalen Ultraschall und Krankengymnastik.

Intramuskuläre Injektionen sind aufgrund von seltenen, aber folgenschweren Komplikationen unter strengen Vorsichtsmaßnahmen erlaubt. Sie haben nicht weniger Nebenwirkungen als Tabletten. Wasserlösliche Antirheumatika wirken bereits nach 20 Minuten. Viele Hausärzte beherrschen weitere Injektionstechniken wie die intraartikuläre Injektion.

Ist mit diesen Maßnahmen keine befriedigende Beschwerdelinderung möglich, ist der Facharzt gefragt. Die diagnostischen Möglichkeiten umfassen hier, natürlich nach gründlicher funktioneller Untersuchung, Röntgen (Beurteilung der Gelenkschädigung, Ausschluss von Tumoren etc.) und Ultraschall (Gelenkserguss).

Kernspin-Untersuchungen ergänzen in Einzelfällen die Diagnostik, besonders wenn eine Operation ins Auge gefasst wird. Spezielle Krankengymnastik kann zu einer Funktionsverbesserung des Gelenks führen.

Der Facharzt wird in bestimmten Fällen eine Injektion direkt ins Gelenk vorschlagen. In akuten Fällen mit Schmerzen und/oder Gelenkserguss ist Cortison bei strenger Indikationsstellung und nicht zu häufiger Anwendung sinnvoll.

Stehen nur die Schmerzen im Vordergrund, kommt eine Injektionsserie mit Hyaluronsäure in Frage, vorzugsweise am Kniegelenk. Hyaluronsäure wirkt wie künstliche Gelenkflüssigkeit und verbessert den Knorpelstoffwechsel. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten nicht.

Längerfristig ist die Einnahme von Glucosamin als Nahrungsergänzung empfehlenswert. Laut Studien kann das Fortschreiten der Arthrose bei mehrjähriger Einnahme verzögert werden. Ein erhöhter Toilettensitz zuhause stellt eine große Erleichterung dar, diese Kosten werden von den Kassen übernommen.

Bei weiter unzureichender Beschwerdefreiheit und fortgeschrittener Gelenkschädigung kommen operative Verfahren zum Einsatz. Am Kniegelenk kann mittels arthroskopischer Eingriffe der Zustand des Knorpels exakt beurteilt werden.

Defekte Menisci können begradigt und degenerative Knochenanbauten beseitigt werden, so dass Reizzustände seltener auftreten. Am Knorpel selbst sind je nach Ausprägung der Schäden verschiedene Eingriffe einschließlich Knorpelersatz-Operationen möglich.

Jüngere Menschen profitieren oft von einer Umstellungs-Osteotomie, bei der Gelenkfehlstellungen korrigiert und ein Fortschreiten der Arthrosen verhindert werden kann.
Der künstliche Gelenkersatz von Hüfte und Knie ist mittlerweile Standard und wird nicht nur in vielen Krankenhäusern auf hohem Qualitätsniveau durchgeführt, sondern zunehmend auch belegärztlich.

So ist am Kniegelenk neben dem totalen auch ein Teilersatz möglich. Eine fachgerechte Rehabilitation sichert das Operationsergebnis und dient dem Muskelaufbau und der Schulung mit dem neuen Gelenk.

Von großer Bedeutung ist danach ein gelenkschonendes Verhalten im Alltag und bei sportlichen Aktivitäten. Günstig sind Sportarten wie Schwimmen, Fahrradfahren, Nordic Walking. Jährliche (Röntgen-) Kontrollen sind notwendig, um Lockerungen aufzudecken.

Selbstverständlich kann man mit Endoprothesen verreisen. Denken Sie aber bei Flugreisen an den Endoprothesen-Pass, der Schwierigkeiten bei der Sicherheitskontrolle verhindert.

Die Betreuung durch Haus- und Facharzt ist bei jedem Arthrosepatienten essentiell. Die Primärbehandlung wird beim Hausarzt erfolgen. Er überblickt den Gesamtzustand mit inneren Krankheiten, der Medikation und kann auf Wechselwirkungen hinweisen.

Der Hausarzt beurteilt die Narkosefähigkeit und ist häufig erster Ansprechpartner nach Operation und Reha. Er koordiniert auch die Nachsorge. Der Facharzt beurteilt die funktionellen Ergebnisse - z.B. nach Operation - und den einwandfreien Prothesensitz.

(von Allgemeinarzt Dr. Stephan Hülsmann und Orthopäde Dr. Klaus Grziwok)


Schwierige Fälle werden im Qualitätszirkel besprochen

Der Qualitätszirkel Orthopädie/Traumatologie des Regensburger Ärztenetzes wurde im Oktober 2000 gegründet. Zunächst arbeiteten je drei Hausärzte und Orthopäden mit.

Nach Anerkennung durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern wurde aus dem geschlossenen Qualitätszirkel (QZ) ein offener, das heißt jede Ärztin und jeder Arzt können teilnehmen. Hauptsächlich nehmen hausärztlich tätige Ärzte, Orthopäden, Chirurgen und Neurochirurgen teil.

Ziel sind die eigenverantwortliche Sicherung und der Ausbau der medizinischen Qualität, wozu wir Ärzte seit der letzten Gesundheitsreform verpflichtet sind. Bisher bearbeitete Themen: Probleme des ganzen Bewegungsapparats, Schmerzbehandlung, Versorgung chronischer Wunden, Ergotherapie.

In Kurzreferaten stellen Fachleute aus den eigenen Reihen die Themen dar. In der Diskussion werden Therapiemöglichkeiten diskutiert, schwierige Fälle besprochen, Schnittstellen definiert, das heißt wann sollte z.B. der Patient den Facharzt aufsuchen, wann kann der Hausarzt die Behandlung wieder übernehmen.

Der QZ stellt Referenten für die Gesundheitswoche im Regensburger Donaueinkaufszentrum und gestaltet Sendungen mit TVA. Hausarzt Dr. Stephan Hülsmann und Orthopäde Dr. Klaus Grziwok leiten den QZ.

Von: Dr. Stephan Hülsmann









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