Regensburger Ärztenetz rückt in die Spitze der Praxisnetze in Bayern vor

Das erfolgreiche Netzwerk mit seinen über 200 Mitgliedern erreicht die höchste Anerkennungsstufe, die die Kassenärztliche Vereinigung in Bayern bislang vergeben hat. „In ganz Bayern gibt es nur zwei von etwa fünfzig Praxisnetzwerken, die diese Exzellenzstufe bislang erreicht haben.“ führt dessen Geschäftsführer Dr. Thomas Koch aus.

Der Gesetzgeber hat im §87b geregelt, worin sich zertifizierte Netzwerke von Ärztestammtischen unterscheiden. „Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf der Patientenzentrierung“, erläutert Dr. Thomas Katzhammer, Vorstandsvorsitzender des als gemeinnützig anerkannten Vereins. „Zusammen mit der AOK Bayern bieten wir beispielsweise unseren Patienten Zusatzleistungen an, die sonst nur bei Privatpatienten oder als IGeL angeboten werden. Inzwischen gehen knapp 3.000 Patienten mit uns gemeinsam diesen Versorgungsweg – darauf sind wir sehr stolz“.

„Unser Gesundheitssystem ist eines der Besten der Welt – dass soll auch so bleiben. Deshalb organisieren wir ständig Fortbildungen für uns Ärzte aber auch für unsere Medizinischen Fachangestellten.“, führt Dr. Robert Weber, hausärztlicher Vorstand, aus. Ein organisiertes Wissensmanagement ist ebenfalls Gegenstand der Anerkennungsvoraussetzungen.

„Die Zusammenarbeit mit Gesundheitspartnern ist uns ebenfalls wichtig. Zahlreiche, gepflegte Zusammenarbeiten mit der Universitätsklinik Regensburg, den Barmherzigen Brüdern und weiteren Kliniken belegen dies. Wir nehmen sowohl an bundesweit ausgezeichneten Projekten des Innovationsfonds teil, als auch bei Forschungsprojekten der TU-München und bald auch der FAU Erlangen“, so Dr. Christoph Schrafstetter, Orthopäde aus Neutraubling. Die Koordinative Berufsausübung ist Wesensmerkmal des Praxisnetzes. „Früher haben die Patienten vor allem bei komplexeren Erkrankungen die Chefärzte der Kliniken aufgesucht. Heute möchte der Patient seine Untersuchungen und Behandlungen zeitnah aus der Hand seines persönlich bekannten Facharztes. Viele ehemalige, hochqualifizierte Oberärzte sind bei uns in der Region inzwischen Niedergelassen und erbringen Leistungen ambulant, die noch vor zehn Jahren nur bei stationären Aufenthalten möglich waren. Unsere Patienten schätzen diesen Vorteil sehr.“

Die Entwicklung hin zur vermehrten Kooperation erfordert auch neue Spielregeln. „Wir achten sehr genau darauf, dass die gesetzlichen und berufsrechtlichen Regeln eingehalten werden. Freiwillig unterziehen wir uns jährlich dem Zertifizierungsverfahren vom TÜV Rheinland – sowohl unsere Organisationsstruktur, als auch jeweils zehn unserer Mitgliedspraxen.“ berichtet Julia Wegerer, Qualitätsmanagerin des Netzwerkes.

„Alles was Patienten oder der Region nutzt, ist für uns eine Selbstverpflichtung. Deshalb arbeiten wir auch mit der Stadt beim Theaterarzt ober bei der Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund zusammen.“ hebt Dr. Koch hervor. Die Umsetzung des Patientenrechtegesetzes ist ebenfalls Gegenstand der Zertifizierung. „Warten wir übrigens aktuell auf eine Umsetzungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschuss zum sogenannten Zweitmeinungsverfahren.“ Kernbestandteil dabei sei der Selbstbehandlungsverzicht nach §27b SGB-V, der die interessensfreie Beurteilung erst möglich macht. Aktuell gäbe es bundesweit einen Wildwuchs an ‚Zweitmeinungseinrichtungen‘. „Tatsächlich ist jedes als ‚Zweitmeinungsverfahren‘ beworbenes Untersuchungsangebot, bei dem der Gutachter dann im Nachgang selbst eine Behandlung durchführt, in meinen Augen eine Mogelpackung.“ konkretisiert der Gesundheitsökonom.

Das Netzwerk entwickelt sich auch künftig stetig weiter. „Wir kooperieren mit den Barmherzigen Brüdern im Bereich der Altersmedizin in einem Versorgungsprojekt mit bundesweitem Vorbildcharakter. Der elektronische Arztbrief ist bei uns seit zwei Jahren zwischen vielen Praxen Wirklichkeit, demnächst binden wir das erste Altenheim in unser Netzwerk ein. Kooperation ohne organisierte Netzwerkstruktur ist in unserer Zeit auf diesem Niveau nicht mehr möglich.“ erklärt Wolfgang Fischer, hausärztlicher Vorstand.

Das Regensburger Ärztenetz e.V. ist somit in der Bundesliga der Praxisnetzwerke angekommen. Herzlichen Glückwunsch.

Vorstand des Praxisnetzes mit Zertifikat (von links): Dr. Robert Weber, Wolfgang Fischer, Dr. Daniela Cameron, Dr. Thomas Katzhammer, Dr. Christoph Schrafstetter (Foto: privat)



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